Urlaub, II

flourish103/ November 25, 2012/ #footprints, Emotionen, Essen, Kulinarisches/ 0Kommentare

Urlaub führt zu den verblüffendsten Veränderungen der noch so eingeprägten Verhaltensmuster. Man ruht mehr, unternimmt mehr oder schläft weniger.

Zum Beispiel, weil man früh aufsteht und sich auf den Tag freut. Am Abend nach dem Festschmaus zum Geburtstag geht es mir genauso. Alle Gäste des vorigen Abends sind heute zum Frühstück eingeladen – und zur Verwertung und Aufteilung des übriggebliebenen Essens. Noch bevor die Bewohner des Hauses mit Besuch rechnen, ja, noch bevor sie richtig darauf vorbereitet sind, stehe ich vor der Tür und klopfe. Zu klingeln traue ich mich nicht, ich will schließlich niemanden wecken. Also zücke ich mein Mobiltelefon und wähle die Nummer des Hausanschlusses. Schon nach zweimaligen Klingeln wird abgehoben und kurz darauf die Haustür geöffnet.
Überraschung und Freude überwiegen. Schließlich hatte ich zwar angekündigt, zwar nach acht, aber wohl deutlich vor elf Uhr vor Ort zu sein, damit gerechnet, dass ich nun schon kurz vor der neunten Stunde des Tages einen guten Morgen wünsche, hatte aber wohl niemand. Vermutlich auch aus Erfahrung. So komme ich erneut in einen Genuss, den ich hier noch niemals bewusst erlebt habe. Ich helfe bei den Vorbereitungen des reichhaltigen Frühstücks, dass der Familie aufgetischt werden wird. Sonst war es schon eine Seltenheit, dass ich den Beginn dessen überhaupt mitbekam.
Während ich den Anblick des sich immer weiter füllenden Buffet-Tisches genieße steigt auch die Vorfreude, nicht nur diesen, sondern auch das angeblickte genießen zu dürfen. Mehr als einmal frage ich, wann es denn nun endlich losgehen und ob ich nicht auch schon den Aufschnitt dazustellen kann. Überhaupt ist es ein Genuss, dieses Frühstück, nicht nur für Zunge und Magen, sondern besonders für die Seele. Urlaub eben.

Und damit nicht genug, ich weiß, noch heute werde ich ein weiteres Kapitel dieses Buches aufschlagen und weiterreisen nach Köln, nachdem ich ja noch am Vorabend entschieden hatte dies aufzuschieben. Auch diese Autofahrt ist begleitet von guten Gesprächen, man erfährt, wie immer, bei Familientreffen, vieles über das Leben der Verwandtschaft, von dem man sonst nichts oder nicht viel mitbekäme. So merkt man aber auch, dass man mit den kleinen Tücken und Problemchen des Alltags eben ganz und gar nicht allein dasteht. Das beruhigt doch ungemein.

Trotz meiner Freude darauf erreichen wir Köln auch irgendwie schneller, als mir lieb ist. Ein weiterer Abschied, nach denen vor der Abfahrt, und schon stehe ich vor den Türen meines alten Lebens. Klingt seltsam nach vergleichsweise so kurzer Zeit, doch es fühlt sich so an. Nun beginnt also der dritte Urlaubsabschnitt und ich werde versuchen zu genießen, dass ich vieles erlebe das nicht neu ist, aber doch so ganz anders als sonst. Urlaub eben.

>> Ich geh im Urwald für mich hin. Wie schön, dass ich im Urwald bin:
Man kann hier noch so lange wandern, ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen, Blatt für Blatt, hängt Urlaub. Schön, dass man ihn hat! <<

Heinz Erhardt

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