Oscars 2017 – Die Prognose

flourish103/ Februar 26, 2017/ #FlourishingFilms, Aktuell, Film, Medien/ 3Kommentare

Welcome to La La Land

Ladies & Gentleman, endlich ist es soweit, wir kommen nun zu meiner ersten (und einzigen) Oscarvorhersage für die Academy Awards 2017.Ich habe wie immer in den letzten Wochen vor der Verleihung des wichtigsten Filmpreises der Welt von Hollywood viele Filme gesehen, fast noch mehr darüber gelesen und mir eine Meinung darüber gebildet, wer den Goldjungen denn nun am meisten verdient hat – und wer ihn bekommen wird. Und nein, das ist absolut nicht zwangsläufig dasselbe. Bevor ich also morgen Abend zur traditionellen Night of the Oscars in mein bescheidenes Heim einlade, können sich alle Teilnehmer, die noch nicht wissen, was sie in ihre Pickliste eintragen sollen, vielleicht jetzt einen kleinen Eindruck verschaffen. Und alle anderen können sich entweder Infos für ihre private, eigene Oscar-Prognose holen – oder zumindest überprüfen, ob ich überhaupt in irgendeiner Weise Ahnung von diesem Thema habe. So oder so – hier findet ihr die Liste mit meinen persönlichen Oscar-Tipps für 2017*. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch noch nach und nach zu allem meinen persönlichen Senf dazugeben würde. Mit einem Klick landet ihr dann auf der ausführlicheren Begründung der Prognose – ICYMI.
Ähnlich wie die (meiner Meinung nach großartigen) Herren Gonzalez und Henderson in ihren Vorhersagen für Slant, unterteile ich bei meiner Vorhersage in die Kategorien „wird“, „könnte“ und „sollte“ gewinnen. Natürlich ganz nach meiner subjektiven und absolut nicht fehlerfreien Meinung. Wer Mitraten, meine Prognose kommentieren oder mir (unwahrscheinlicherweise) einfach nur zustimmen möchte, kann einfach in die Kommentare oder mir per Mail schreiben. Ich freue mich drauf!

*nach „Film“ in alphabetischer Reihenfolge der Originalbezeichnungen


Film (Picture):

Nominiert: La La Land, Moonlight, Arrival, Manchester By The Sea, Hacksaw Ridge, Lion, Fences, Hell Or High Water, Hidden Figures

Es gab schon Jahre in denen es schwieriger war, sich in dieser Kategorie auf einen Film festzulegen. Auch wenn es beileibe nicht immer der große Favorit sein muss, der hier abräumt. Nachdem im letzten Jahr eigentlich jedem klar war, dass The Revenant neben dem Hauptdarsteller- auch den Film-Oscar sicher in der Tasche hat, wurde Spotlight der beste Film. Und doch ist dieses Jahr vieles anders. Denn insgesamt ist das Niveau der nominierten Filme sehr hoch und die Genres sind so verschieden wie lange nicht. Arrival ist mutig, verstörend, packend und vom ersten bis letzten Moment ein gut gemachter Film. Hidden Figures erzählt die (wahre) Geschichte drei schwarzer Frauen bei der NASA mit Liebe, Humor und einer Menge Nationalstolz. Und was für ein FIlm ist bitte Manchester By The Sea? Angeführt von einem überragend spielenden Casey Affleck performen alle Darsteller dieses Drama überzeugend. Der Ausgang der Story bleibt bis zum Ende offen und jede der Figuren kann die Zuschauer für sich einnnehmen, obwohl oder gerade weil sie alle beileibe nicht fehlerfrei sind. Nicht zu vergessen Moonlight, mit einem nicht weniger großartigen Ensemble und einem tollen Drehbuch. Mit Fences und eben Hidden Figures gibt es in diesem Jahr nicht den Hauch eines Diskussionsgrunds zum Thema #OscarsSoWhite.

Was aber schon vor zwei Jahren beim Sieg von Birdman in einer Reihe von guten Filmen den Ausschlag gegeben hat, ist die Selbstverliebtheit der amerikanischen Filmbranche. Die einzige Möglichkeit, die haushohe Favoritenrolle von La La Land auf den Academy Award für den besten Film in diesem Jahr streitig zu machen, hätte ein Film, der sich mit den aktuellen Konflikten der USA in der Außen- oder (inzwischen) Innenpolitik befasst. Da aber weder Donald Trump und seine Handlungen noch der Syrienkonflikt oder die Flüchtlingssituation in einem der nominierten Filme thematisiert werden, kann es in dieser Kategorie eigentlich nur einen Gewinner geben. La La Land spielt mit den Klischees von Hollywood, entkräftet dabei keines so richtig und ist eine, zugegeben, gut gemachte Hommage an die Traumfabrik. Nicht zuletzt weil eben auch die Summe der guten Leistungen in allen möglichen Kategorien eben letzten Endes auch das beste Gesamtpaket ausmacht.

Wird gewinnen: La La Land
Könnte gewinnen: Moonlight
Sollte gewinnen: Manchester By The Sea


Animationsfilm (Animated Feature):

Nominiert: Kubo – Der tapfere Samurai, Vaiana – Das Paradies hat einen Haken, Mein Leben als Zucchini, Die rote Schildkröte, Zoomania

Das Phänomen, das immer entweder eine Hommage an die Traumfabrik oder eine Auseinandersetzung mit der politischen Lage den Oscar gewinnt, lässt sich auch auf die Animationsfilme übertragen. Man kann sogar noch ein weiteres fast schon ungeschriebenes Gesetz hinzufügen: Zweite Teile gewinnen nie (zuletzt Ich, einfach unverbesserlich und Drachenzähmen leicht gemacht, Findet Dorie ist in diesem Jahr nicht mal nominiert). Wenn man diese Faktoren zusammenzählt und sich die Nominierungsliste ansieht, findet man dort als erstes den Film, dessen klare Botschaft lautet: Rassismus ist schlecht und ungerechtfertigt – Zoomania! Überraschend ist, das gleich zwei Filme auch noch in anderen Kategorien nominiert sind. Zum einen der obligatorische Disney-Film, dessen Song es in die Auswahl geschafft hat (Vaiana) und der schon dadurch immer für den Sieg gut ist und dann Kubo, der auch für die besten visuellen Effekte nominiert ist. Was zwar nach Betrachtung des Filmes nachvollziehbar ist, aber trotzdem etwas kurios – wo doch der gesamte Film animiert ist. Chancen hat Kubo wohl nur, wenn sich die beiden erstgenannten Filme gegenseitig die Stimmen abnehmen. Was angesichts der eingangs angesprochenen Botschaft, die Zoomania im Gegensatz zu Vaiana hat, nicht so wahrscheinlich ist, wie es vielleicht im ersten Moment scheinen könnte.
Dass in dieser Kategorie eben nicht einige Filme nur zur Auffüllung der Liste nominiert sind, findet man heraus, wenn man sich Mein Leben als Zucchini ansieht. Der europäische Film hat zwei entscheidende Schwächen: Stop-Motion-Filme waren in dieser Kategorie noch nur ein einziges Mal erfolgreich. Und dieser kommt eben aus Europa. Mitglieder der Academy dürften ihn deshalb bei der Abstimmung eher in der Fremdsprachen-Sparte sehen. Nur, dass er da eben nicht nominiert ist.

Wird gewinnen: Zoomania
Könnte gewinnen: Vaiana – Das Paradies hat einen Haken
Sollte gewinnen: Mein Leben als Zucchini


Hauptdarsteller (Actor in a Leading Role):

Nominiert: Ryan Gosling (La La Land), Casey Affleck (Manchester By The Sea), Denzel Washington (Fences), Andrew Garfield (Hacksaw Ridge), Viggo Mortensen (Captain Fantastic)

Das kann man relativ kurz halten: Andrew Garfield und Viggo Mortensen spielen ihre Rollen überzeugend und eine Nominierung ist für beide ebenso gerechtfertigt, wie schon ein großer Erfolg. Große Chancen auf einen Sieg dürften sich die beiden ehemaligen großen Helden (Spiderman und Aragorn in Der Herr der Ringe) wohl aber nicht ausrechnen. Und Ryan Gosling? Hahaha, nein.

Casey Affleck zeigt von den fünf nominierten Darstellern die beste Performance. Wie er den innerlich zerissenen Rückkehrer in seine Heimat und den Ort der größten Tragödie seines Lebens – Manchester By The Sea – spielt, nimmt mit – und geht einfach nicht besser. Einziges Argument gegen ihn könnte ausgerechnet seine Hautfarbe sein. Affleck ist bekanntermaßen weiß – aber nichts könnte die Diskussion um #OscarsSoWhite deutlicher beenden, als der Sieg eines schwarzen Hauptdarstellers. Und unter den Nominierten befindet sich mit Denzel Washington ein Kandidat, der seine Rolle in Fences nun auch nicht gerade furchtbar schlecht interpretiert.

Wird gewinnen: Casey Affleck (Manchester By The Sea)
Könnte gewinnen: Denzel Washington (Fences)
Sollte gewinnen: Casey Affleck (Manchester By The Sea)


Nebendarsteller (Actor in a Supporting Role):

Nominiert: Mahershala Ali (Moonlight), Lucas Hedges (Manchester By The Sea), Jeff Bridges (Hell Or High Water), Dev Patel (Lion), Michael Shannon (Nocturnal Animals)

Eine schwierige Kategorie. Weil alle fünf Nominierten ihre Sache großartig machen. Na klar, werden jetzt einige sagen, das hier sind ja auch die Oscars. Nun ja, sage ich dann, Ryan Gosling. Auch und vor allem weil ich Casey Affleck in der Hauptdarsteller-Kategorie vorn sehe, glaube ich in dieser Kategorie an den Erfolg von Mahershala Ali. Moonlight ist ein bewegendes Drama und die von Ali überzeugend gespielte Figur in diesem Film passt für einen Oscar. Das würde die von Dev Patel aber zweifelsohne auch. Seine Kategorisierung als Nebendarsteller ist einigermaßen interessant, zumal er die erwachsene Hauptfigur in Lion spielt. Eigentlich eine gute Grundlage für die Einordnung als Hauptrolle. Seine Chancen in der Nebendarsteller-Kategorie könnten allerdings besser sein – wenn die Mitglieder der Academy das nicht ähnlich sehen, wie ich.

Lucas Hedges und Jeff Bridges sind die beiden absoluten Gegensätze in dieser Kategorie. Einer blutjung und mit seiner ersten Nominierung, der andere seit Jahren im Geschäft und bereits mehrfacher Oscar-Preisträger. Jeff Bridges spielt in Hell Or High Water vielleicht sogar noch besser, als in seiner prämierten Rolle in True Grit. Trotzdem könnte die allgegenwärtige „OscarsSoWhite-Diskussion gegen ihn sprechen. Lucas Hedges hat nicht nur diesen Nachteil. Die Nominierung allein hebt ihn in die erste Liga der Schauspieler und es wird vermutlich nicht die letzte bleiben. Er spielt den pubertierenden Halbwaisen in Manchester By The Sea so gut, ich möchte ihn in den Arm nehmen – und im nächsten Moment auf sein Zimmer schicken! Er unterstützt den überragenden Casey Affleck bei dessen Glanzleistung und ist ein Supporting Actor im wahrsten Sinne. Mein persönlicher Favorit, Michael Shannon, dürfte in diesem Nominiertenkreis eher chancenlos sein. Seine Darstellung des todkranken Cops in Nocturnal Animals ragt in diesem fesselnden Film für mich heraus. Dass er statt seinem mit dem Golden Globe ausgezeichneten Kollegen Aaron Taylor-Johnson nominiert ist, könnte sowohl ein Indiz für einen Überraschungserfolg sein, als eben auch für Chancenlosigkeit. Speziell der für mich gar nicht überraschende Erfolg von Mark Rylance bei den letztjährigen Awards spricht dafür, dass die Academy-Mitglieder in diesem Jahr eher nicht wieder für einen Außenseiter stimmen. Außerdem glaube ich einfach nicht daran, gleich zweimal nacheinander in dieser Kategorie mit einem Geheimtipp erfolgreich zu sein.

Wird gewinnen: Mahershala Ali (Moonlight)
Könnte gewinnen: Dev Patel (Lion)
Sollte gewinnen: Michael Shannon (Nocturnal Animals) 


Hauptdarstellerin (Actress in a Leading Role):

Nominiert: Emma Stone (La La Land), Natalie Portman (Jackie), Meryl Streep (Florence Foster Jenkins), Isabelle Huppert (Elle), Ruth Negga (Loving)

Wie in fast jedem Jahr sind die Nominierten in dieser Kategorie irgendwie anders, als in den anderen. Die Filme, in denen Frauen im Zentrum stehen sind fast noch weniger populär, als schwarze Nominierte. Da abgesehen von La La Lands Emma Stone keine der Nominierten in einem der Favoritenfilme auftaucht, muss man sie allein deshalb ganz vorn auf dem Zettel haben. Doch sie steht dort auch nicht zu Unrecht. Ihre Schauspiel- und Gesangleistung ist noch einmal eine Steigerung zu ihrer Rolle in Birdman, für die sie vor zwei Jahren bereits als beste Nebendarstellerin nominiert war. Ihre ärgste Konkurrentin dürfte Isabelle Huppert sein. Elle wäre ohne ihre herausragende Performance nicht der Film, der er ist. Eigentlich überhaupt kein Film. Hupperts Manko könnte sein, dass Englisch nicht ihre Muttersprache ist. Bei den Golden Globes störte das nicht, aber einen direkten Vergleich der beiden Preisträgerinnen gab es dort auch nicht. Und überhaupt – die Globes sind eben nicht die Oscars. Eins dürfte klar sein: Wenn tatsächlich schon wieder Meryl Streep den Award erhält – für diese Rolle und bei diesen Mitnominierten – wird der Aufschrei groß sein.

Wird gewinnen: Emma Stone (La La Land)
Könnte gewinnen: Isabelle Huppert (Elle)
Sollte gewinnen: Isabelle Huppert (Elle)


Nebendarstellerin (Actress in a Supporting Role):

Nominiert: Naomie Harris (Moonlight), Michelle Williams (Manchester By The Sea), Nicole Kidman (Lion), Viola Davis (Fences), Octavia Spencer (Hidden Figures)

Wenn man die Erläuterungen zum besten Hauptdarsteller relativ kurz halten kann, dürfte dieser Beitrag eigentlich nur zwei Worte enthalten: Viola Davis.

David Fincher sagte über seine Hauptdarstellerin in Gone Girl, Rosamund Pike, sie sei geboren worden, um dieser Rolle zu spielen. Den Oscar gab es für sie trotzdem nicht. Dass das in diesem Fall nicht auf Viola Davis zutrifft, weiß jeder, der How To Get Away With Murder gesehen hat. Doch ihre Leistung in Fences übertrifft das um Längen. Alle anderen Nominierten sind in dieser Kategorie – bei allem Respekt – nur schmückendes Beiwerk. Das liegt vor allem an ihrer überragenden Leistung, aber nicht nur: Michelle Williams hat kaum Spielzeit in Manchester By The Sea, Octavia Spencer ist für mich nicht einmal die auffälligste Darstellerin in Hidden Figures und Nicole Kidman ist nunmal Nicole Kidman. Und in Lion sieht sie, anders als in The Hours, eben auch so aus. Die einzige Frage ist, woher genau eigentlich die Definition von Supporting Actress für Davis Rolle in Fences nun kommt. Klar, in der direkten Auseinandersetzung mit Stone und Huppert wäre die Favoritenrolle nicht annähernd so klar vergeben gewesen. Und die Academy-Mitglieder hätten vor einer schwierigen Entscheidung gestanden. So aber, kann es eigentlich nur eine Preisträgerin geben.

Wird gewinnen: Viola Davis (Fences)
Könnte gewinnen: Viola Davis (Fences)
Sollte gewinnen: Viola Davis (Fences)


Kamera (Cinematography):

Nominiert: La La Land, Arrival, Moonlight, Lion, Silence

Entscheidendster Faktor für den Favoriten in der Kamera-Kategorie ist, an welchem Film Emmanuel Lubetzki mitgearbeitet hat. Zuletzt gewann er dreimal in Folge. In diesem Jahr ist er nicht nominiert. Das heißt im Umkehrschluss, für alle anderen ist die Chance so groß wie schon lange nicht. Die ganze Geschichte von Arrival lebt von der Kameraführung, dem Perspektivwechsel und dem gewählten Bildwinkel. Ohne eine großartige Arbeit an der Kamera funktioniert dieser Film nicht, funktioniert diese Geschichte nicht und nachdem ich ihn gesehen hatte war ich sicher: Der wird es!

Doch dann sah ich La La Land. Alles, was auf Arrival zutrifft, lässt sich auch über La La Land sagen. Mit einer klaren Ausnahme: Die Geschichte an sich funktioniert auch ohne die großartige Kamera-Arbeit – nur, dass der Film dann nicht mehr annähernd so aufregend wäre. Mann trifft Frau, beide verlieben sich um drei Ecken und erleben eine aufregende Zeit in Hollywood. Das an sich hat nicht unbedingt das Potenzial, der größte Oscar-Abräumer aller Zeiten zu werden. Aber Blickwinkel, Perspektive, Spiel mit Farben und Licht (man könnte sehr lange so weitermachen) machen aus der Geschichte von La La Land dann eben doch ein aufregendes Erlebnis für den Zuschauer.

Wird gewinnen: La La Land
Könnte gewinnen: Arrival
Sollte gewinnen: La La Land


Kostümdesign (Costume Design):

Nominiert: La La Land, Jackie, Florence Foster Jenkins, Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, Allied 

Nach Betrachtung der Nominiertenliste ahnen die meisten vermutlich schon, dass es in dieser Kategorie nur einen wirklichen Favoriten geben kann. Auch wenn die Outfits der Figuren in Florence Foster Jenkins und Fantastische Tierwesen die Zeit, in der diese Filme spielen wirklich sehr authentisch widerspiegeln, ist es genau der Punkt, dass La La Land in keiner bestimmten Zeit zu spielen scheint, der ihm hier einen Vorteil verschafft. Das Wechselspiel zwischen Gegenwart und der Blütezeit des Jazz, zwischen modernem Hollywood und dem Stil der 50s wird durch nichts so konsequent ausgestrahlt, wie durch die Auswahl der Kostüme. Als der Film gerade erst wenige Minuten alt ist und Emma Stone mit ihren drei Film Freundinnen durch die Stadt zieht, tragen sie alle verschiedene Kleider in verschiedenen Farben – die so genau aufeinander abgestimmt sind, wie es bei vier verschiedenen Outfits eben geht. Die Kostüme in diesem Film sind in sich stimmig, aufeinander abgestimmt und tragen entscheidend zur Wirkung bei, die der Film hinterlässt. So oder so ähnlich dürfte sich jede Begründung (wenn es denn eine gäbe) für eine Auszeichnung in dieser Kategorie lesen.

Wird gewinnen: La La Land
Könnte gewinnen: Florence Foster Jenkins
Sollte gewinnen: La La Land


Regie (Directing):

Nominiert: La La Land, Arrival, Moonlight, Manchester By The Sea, Hacksaw Ridge

Was eine Nominierungsliste! Man könnte auch sagen: The Big Five. Die fünf am häufigsten nominierten Filme in diesem Jahr machen den Sieg in dieser Kategorie unter sich aus. Das ist einerseits wenig überraschend, hat doch Regisseur im besten Fall einen sehr großen Einfluss auf das Gesamtergebnis des Films. Andererseits macht das die Einschätzung der wirklichen Regiearbeit nicht wirklich einfacher. In einem weniger stark besetzten Film mit geringeren technischen Möglichkeiten wiegt der Einfluss des Regisseurs womöglich schwerer, als in großen Produktionen.

Aber übertragen auf diese fünf Filme lässt sich daraus auch ein Favorit ableiten. Damien Chazelle hat sein persönliches La La Land geschaffen und es in jeder irgendwie für diesen Film möglichen Katgegorie in die Nominierungslisten gesetzt. Er setzt sich damit ein Denkmal, ganz unabhängig vom Ausgang der Oscars. Die komplexen Zusammenhänge und für den Zuschauer erst sehr spät erkennbare Geschichte hinter den Ereignissen in Arrival erfordert ebenfalls außerordentliches Geschick, damit man bis zum Ende gefesselt bleibt. Moonlight wäre in fast jedem anderen Jahr der unangefochtene Film des Jahres gewesen. Und Mel Gibson meldet sich mit Hacksaw Ridge auf eine Weise zurück, die ihm so vielleicht niemand zugetraut hätte. Der Film trägt seine unverkennbare Handschrift.
Die Feinfühligkeit und zugleich brutale Gewalt mit der die Ereignisse aus Manchester By The Sea auf den Zuschauer einprasseln ist kaum in Worte zu fassen. So viele kleine Gesten, vereinzelte Wortfetzen und Anflüge von Mimik, die die Bedeutung einer gesamten Aussage verändern schaffen eine Atmosphäre, die greifbar, fast fühlbar ist. Das gesamte Ausmaß der menschlichen Abgründe, der Angst, der Hoffnung und des Mitleids wirken in jeder Szene – und weit darüber hinaus noch nach. Manchester By The Sea erzählt keine große Geschichte, hat nicht den Anspruch eines Blockbusters, sondern ist im Detail bildgewaltig. Aus den Auszeichnungen vergangener Jahre, am meisten aber an der Ehrung für Twelve Years A Slave lässt sich ableiten, dass die Academy unterscheiden kann, zwischen der Auszeichnung für einen großen Film und der großen Arbeit eines Regisseurs an einer kleinen Story. Wenn das in diesem Fall wieder geschieht, wird Damien Chazelle ausgerechnet in seiner Kategorie für sein Meisterwerk nicht ausgezeichnet.

Wird gewinnen: Manchester By The Sea
Könnte gewinnen: La La Land
Sollte gewinnen: Manchester By The Sea


Dokumentarfilm (Documentary Feature):

Nominiert: 13th, Fire At Sea, I Am Not Your Negro, Life, Animated, O.J.: Made In America

Viele werden die meisten Filme dieser Kategorie nicht oder nicht vollständig gesehen haben. In so einem Fall hilft wieder der Blick auf das Thema der nominierten Filme, in der Dokumentarsparte vielleicht sogar noch mehr, als bei den Spielfilmen. Und ein Thema ist immer, aber wirklich immer ein Erfolgsgarant, wenn es gut umgesetzt wird: Der Fall O.J. Simpson. Im nominierten Film O.J.: Made In America ist dieser Fall aber nur der Aufhänger und (ganz bestimmt nicht nur zufällig) Titelgeber für eine Doku über die Rassenprobleme in den USA. Rassendiskussion? Schon wieder? Werden jetzt einige fragen! Ja, schon wieder. Oder besser gesagt: Noch immer! Solange dieses Thema in der Gesellschaft der USA eines ist, wird die Academy sich auch dafür stark machen, Filme, die es behandeln zu unterstützen – nicht ganz zu Unrecht. Insofern hat O.J.: Made In America sogar gleich zwei wichtige Faktoren auf seiner Seite – und damit den vielleicht entscheidenden Vorteil gegenüber I Am Not Your Negro.
Das Drama im Mittelmeer vor Lampedusa ist zwar, nicht nur weil ich das als Europäer näher erlebt habe, die wohl beeindruckendste und bewegendste Geschichte, die in dieser Kategorie beleuchtet wird – Fire At Sea ist als italienischer Bewerber für den besten fremdsprachigen Film ins Rennen gegangen – aber eben so weit weg und so wenig amerikanisch, dass ähnlich wie in der Animations-Sparte, die Chancen des vielleicht besten Beitrags in der Fremdsprachen-Kategorie größer gewesen wären. Und genau wie dort, ist er nicht unter den Nominierten.

Wird gewinnen: O.J.: Made In America
Könnte gewinnen: I Am Not Your Negro
Sollte gewinnen: Fire At Sea


Dokumentarischer Kurzfilm (Documentary Short):

Nominiert: 4.1 Miles, Extremis, Joe’s Violin, The White Helmets, Watani: My Homeland

Gonzalez schlägt in seiner Prognose für die Oscars vor, in dieser Kategorie eine Münze zu werfen, um den endgültigen Tipp zu ermitteln. Denn anders als das Drama vor Lampedusa in Fire At Sea, betrifft die Geschichte der syrischen Bevölkerung die Amerikaner deutlich mehr. Menschen, die den Krieg in ihrer Heimat Syrien erleben müssen, sind das Thema von The White Helmets und Watani. Und gerade weil Marcel Mettelsiefens Watani eben der Film eines deutschen Filmemachers ist, der nicht nur zeigen will, welche Auswirkungen Angela Merkels Strategie in der Flüchtlingskrise auf Betroffene hat, sondern durch diese beiden Punkte auch Trump-Unterstützern eher sauer aufstoßen könnte, ist er mein Favorit.

Wird gewinnen: Watani: My Homeland
Könnte gewinnen: The White Helmets
Sollte gewinnen: Watani: My Homeland


Filmbearbeitung (Film Editing):

Nominiert: La La Land, Arrival, Moonlight, Hacksaw Ridge, Hell Or High Water

Die außergewöhnliche und schwer nachzuvollziehende Story von Arrival birgt eine besondere Herausforderung bei der Bearbeitung der entstandenen Bilder. Die Sprünge zwischen Zeiten und Spielorten, insbesondere am Ende des Films, müssen abrupt sein und den Zuschauer überraschen, dürfen ihn aber nicht so sehr überfordern, dass er den Ereignissen nicht mehr folgen kann. Hier wurde außergewöhnliche Arbeit geleistet. Wie bei jedem der Filme, bei denen Mel Gibson verantwortlich war, trifft das auch auf Hacksaw Ridge zu. Die Brutalität des Krieges, seine Geschwindigkeit genauso wie seine quälende Langsamkeit bringt der Film durch gut gesetzte Schnitte fast plastisch rüber.
Plastisch. Was für ein Stichwort für die Bilder, die La La Land auf die Leinwand bringt. Emma Stone und Ryan Gosling erobern den Sternenhimmel, wandern duch verschiedene Zeiten und befinden sich von einem Moment auf den anderen an völlig verschiedenen Orten, ohne sich wirklich fortzubewegen. Die Bildkomposition und der Zusammenschnitt der Szenen laufen in diesem Jahr fast schon außer Konkurrenz. Wie so oft gibt es auch in dieser Kategorie einen klaren Favoriten neben einem Kandidaten, der das wäre, wenn es eben La La Land nicht geben würde.

Wird gewinnen: La La Land
Könnte gewinnen: Arrival
Sollte gewinnen: La La Land


Fremdsprachiger Film (Foreign Language Film):

Nominiert: Ein Mann names Ove, Tanna, Toni Erdmann, The Salesman, Unter dem Sand

Ach, Toni Erdmann. Alle deutschen Hoffnungen ruhen, wie fast immer wenn der Österreicher Christoph Waltz gerade keinen oscarverdächtigen Leinwandauftritt hingelegt hat, auf dem Beitrag für den besten fremdsprachigen Film. Auch wenn es mit Watani einen aussichtreichen Kandidaten an anderer Stelle gibt, ist diese Kategorie eben doch prestigeträchtiger. Und dieses Jahr hat Deutschland seitdem aussichtsreichsten Kandidaten seitdem Das Leben der Anderen den Award tatsächlich bekam. Vor allem, weil der französische Film Elle – Gewinner der Golden Globes und besetzt mit der überragenden Isabelle Huppert – nicht zur Abstimmung steht und weil der zweifach nominierte Ein Mann names Ove (außerdem für Makeup & Hairstyling nominiert) zwar einen weiteren Beweis für die Beliebtheit des Produktionsteams von Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand liefert, aber auch der Oscar eben nicht nur für Beliebtheit vergeben wird. Einen Strich durch die Rechnung machen könnte den Siegchancen ausgerechnet Donald Trump. Die aktuelle Politik hat die Bewertungen der Academy schon immer beeinflusst. Und The Salesman ist der diesjährige Beitrag aus dem Iran. Eine schallendere Ohrfeige für die islamfeindliche Politik des US-Präsidenten und sein Einreiseverbot für Menschen, nur weil sie geboren sind, als einen Oscar für einen Film aus dem Iran könnte es gar nicht geben. Dass er gut ist, steht bei der Menge der Bewerber und der Komplexität des Auswahlverfahrens sowieso außer Frage. Freuen würde ich mich über den Erfolg des endlich wieder so großartigen deutschen Beitrags natürlich. Nichtsdestotrotz, so richtig glaube ich irgendwie nicht daran.

Wird gewinnen: The Salesman
Könnte gewinnen: Toni Erdmann
Sollte gewinnen: Toni Erdmann


Makeup & Hairstyling:

Nominiert: Ein Mann names Ove, Star Trek Beyond, Suicide Squad

Traditionell sind hier nur drei Filme überhaupt nominiert. Und in diesem Jahr gehören alle drei nicht zu den großen Filmen des Jahres, Ein Mann namens Ove ist nur deshalb wenigstens in zwei Kategorien nominiert, weil er zufällig auch kein englischsprachiger Film ist. Damit wäre aber auch schon alles über seine Siegwahrscheinlichkeit gesagt. Auch davon abgesehen, irgendwie musste man eben die Nominierungsliste voll machen. Denn dass mit Suicide Squad ein Film nominiert ist, in dem ein anderer Joker mitspielt als Heath Ledger (sorry, Jared Leto), kann nur damit erklärt werden, dass das Makeup so gut war, dass man ihn trotzdem als Joker erkannt hat. Die Figuren sind quietschbunt und fast alle aufwendig geschminkt, was eine Nominierung zwar erklärt, aber einen Sieg nicht wirklich wahrscheinlicher macht. Denn die Academy-Mitglieder mögen Comic-Verfilmungen fast genauso wenig, wie ausländische Filme in nicht-ausländischen Kategorien, wenn es eine vernünftige „eigene“ Alternative gibt. Logische Schlussfolgerung ist, dass nur ein Film diesen Oscar abräumen kann: Star Trek Beyond. Die Kunst eines guten Makeups ist, im Film wie im echt Leben, dass man es nicht gleich sieht. Und so sehen zwar viele der Figuren nicht menschlich aus, müssen also offensichtlich dementsprechend geschminkt und frisiert sein, aber wenn man dieses Wissen ausblendet, fällt es nicht auf. Das ist der wirklich entscheidende Unterschied gegenüber Suicide Squad.

Wird gewinnen: Star Trek Beyond
Könnte gewinnen: Suicide Squad
Sollte gewinnen: Star Trek Beyond


Soundtrack (Original Score):

Nominiert: La La Land, Moonlight, Lion, Jackie, Passengers

Bei den Globes gibt es die Kategorie Comedy & Musical und auf sie trifft das gleiche zu, wie auf die Score-Kategorie bei den Oscars in diesem Jahr: Sie wurde für Filme wie La La Land erfunden. Ohne den Soundtrack ist der Film nicht, was er ist. Er ist das Markenzeichen von Damien Chazelle, was schon Whiplash eindrucksvoll zeigte. Und er ist nun einmal die Essenz, das Salz in der Suppe, eine Musical-Films. Sogar dann, wenn ein Großteil der Songs von Ryan Gosling gesungen werden. Jeder Ton dieses Films passt zu der gezeigten Szene, die Songs geben die Stimmung des Films nicht wieder, sondern vor. Und wem das als Argumente nicht ausreicht, der kann ja einen Blick in die zweite Soundtrack-Kategorie (Bester Song) werfen – und dort gleich zwei Nominierte aus La La Land finden.
Nein, ganz egal, wie prominent die Komponisten anderer Filme auch in diesem Jahr sind, ob ein Weltraumepos schon immer das Potenzial zu einem preisgekrönten Soundtrack bot und ob Moonlight seine Emotionalität auch durch seinen Soundtrack bekommt. So sicher wie, dass La La Land den Oscar in dieser Kategorie bekommt ist sonst nur, dass es ihn in der Hauptdarsteller-Kategorie nicht bekommt.

Wird gewinnen: La La Land
Könnte gewinnen: La La Land
Sollte gewinnen: La La Land


Song (Original Song):

Nominiert: Audition (The Fools Who Dream) (aus La La Land), Can’t Stop The Feeling (aus Trolls), City Of Stars (aus La La Land), How Far I’ll Go (aus Vaiana – Das Paradies hat einen Haken), The Empty Chair (aus Jim: The James Foley Story)

Am liebsten würde ich an dieser Stelle einfach La La Land schreiben und wäre fertig. Der Soundtrack ist fantastisch und alle Argumente sprechen auch für die beiden nominierten Songs: Sie sind wichtig für die Dramaturgie des Films, werden auch im Film überzeugend performt und sogar von den Darstellern des Films gesungen. Abgesehen davon, dass sie auch musikalisch gute Songs sind. Lieder, auf die alle diese Faktoren zutreffen, sind Top-Favorit auf den Oscar. Nur, dass diese Faktoren eben auf beide Songs aus La La Land zutreffen. Ein klassischer Fall für einen Vote-Split. Falls es dazu kommt, und das halte ich für nicht unwahrscheinlich, weil eben beide fast ebenbürtig sind, gibt es einen lachenden Dritten. Den einen Song performt Emma Stone in voller Länge im Film, während das gesamte Bild um sie herum schwarz wird um ihr gesamtes Schauspiel-Talent in den Vordergrund zu heben. Den anderen performt zwar Ryan Gosling, aber das gleich mehrfach. Außerdem ist er so eingängig, dass man die Besucher des Films am Summen der Melodie auf der Toilette im Kino nach dem Film erkennen kann. Eine schwierige Entscheidung. Also schauen wir uns die weiteren Kandidaten eben doch einmal näher an, was nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt. Ja, ja, Justin Timberlake singt einen großen Charterfolg und auch Sting ist ein großer Name. Aber der eine Song ist einfach ein stimmungsvolles Finale eines ansonsten recht bedeutungslosen Films, der nicht einmal bei den Nominierungen als bester Animationsfilm berücksichtig wurde. Und der andere ist, mit Verlaub, einfach als Song an sich nicht stark genug. Was bleibt ist, mal wieder, der Hauptsong aus dem Disney-Animationsfilm. Und Vaiana (wer immer sich diesen deutschen Titel für Moana ausgedacht hat) enthält genau diesen einen Song, der bis auf einen eben auch alle in dieser Disziplin wichtigen Faktoren vereint: Er taucht an mehreren Stellen im Film auf und bildet den roten Faden. Auch wenn er klingt, wie der Versuch die Erfolgsfaktoren von Let It Go zu kopieren, ist seine Bedeutung im Film sogar höher einzuschätzen. Insofern wäre How Far I’ll Go der logische Preisträger, wenn es eben La La Land nicht gäbe. Aber eben weil der mit zwei starken Songs vertreten ist, ist er es vielleicht trotzdem.

Wird gewinnen: How Far I’ll Go (Vaiana)
Könnte gewinnen: City of Stars (La La Land)
Sollte gewinnen: Audition (La La Land)


Produktionsdesign (Production Design):

Nominiert: La La Land, Arrival, Hail, Ceasar, Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, Passengers

Ich persönlich bin ja ein großer Fan von Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Wie viele der Potter-Filme ist er in dieser Kategorie nominiert, es zahlt sich also aus, dass bei der Produktion hier auf bewährte Kräfte gesetzt wurde. Doch zu den Favoriten gehört er dadurch noch lange nicht. Zum einen, weil die gewaltigen Kulissen des futuristischen Weltraumkreuzers in Passengers dem Film eine imposante Ausstrahlung geben, obwohl er ansonsten oft hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Und, wie geil ist bitte die Nominierung für Hail, Caesar? Wer den Film gesehen hat, darf eigentlich kein bisschen überrascht, sondern muss sogar sicher sein, dass der diesen Oscar mit nach Hause nimmt. Nun ja, schön wärs!

Denn auch La La Land macht in dieser Kategorie einen guten Eindruck: das gesamte Produktionsdesign kommt wie aus einem Guss und fügt sich perfekt in das Gesamtbild ein. Nach menschlichem Ermessen müsste das für den Oscar reichen. Und wenn nicht, ist da ja immer noch Arrival. Die surreale, futuristische Welt in die dieser Film den Zuschauer mitnimmt, lebt vom minimalistischen, fast schon klinischen Szenenbild mit Liebe für kleine Details.

Wird gewinnen: La La Land
Könnte gewinnen: Arrival
Sollte gewinnen: Hail, Caesar


Animierter Kurzfilm (Short Film Animated):

Nominiert: Vaysha, die BlindeBorrowed Time, Pear, Cider And Cigarettes, Pearl, Piper

Google hatte eine tolle Idee: Wir nehmen die Story aus Boyhood, bauen einen mehr oder weniger gute Animation und machen einen kurzen Film daraus, den wir mit etwas völlig neuem ausstatten: einer 360-Grad-Perspektive. Das hat soweit funktioniert. Pearl bietet dem Betrachter die Möglichkeit, alle Ereignisse des Films komplett wahrzunehmen. Nachteil: Man muss den Film anhalten, um nichts zu verpassen, das an einer anderen Stelle als der geschieht, die man gerade betrachtet. Das funktioniert im Kino schlecht – und die Kinoversion ist die relevante bei den Oscars. Überhaupt lässt sich ein wirklich guter Eindruck von Pearl wohl nur mit einer VR-Brille gewinnen.

Piper funktioniert im Kino. Schon in meinem Rückblick auf die Filme des Jahres 2017 war ich sicher, dass man dieses Pixar-Meisterwerk bei den Oscars finden würde. Die Natur, Wasser, Sand, Dünen wirken fast lebensecht, ganz zu schweigen vom Gefieder des kleinen Tölpels und seiner Familie. Die Geschichte ist anrührend, witzig und mit einer moralischen Aussagen versehen, wie sie bei einem Pixar-Animationsfilm nun einmal sein muss und dieses Werk reiht sich ein in die Meisterwerke vergangener Tage, als der Vorfilm im Kino fast noch entscheidender war, als der Spielfilm, der danach kam. Insbesondere, weil er ohne technische Hilfsmittel und problemlos in jedem Kino funktioniert: Alles andere, als ein Oscar für Piper wäre für mich eine große Überraschung.

Wird gewinnen: Piper
Könnte gewinnen: Pearl
Sollte gewinnen: Piper


Kurzfilm (Short Film Live Action):

Nominiert: Ennemis Intérieurs, La Femme Et Le TGV, Silent Nights, Sing, Timecode

In dieser Kategorie muss ich mich ganz auf mein Gefühl verlassen. Und das, was ich über die nominierten Filme gelesen habe. Erneut gibt es zwei Kandidaten, die sich mit der politischen Lage der USA befassen. Ennemis Intérieurs schildert die Schwierigkeiten, die ein algerischstämmiger Franzose mit potenziellen Terroristen aus dem eigenen Land hat. Sing handelt von einem Chor, in dem alle, die nicht so singen, wie es dem Chorleiter gefällt, nur stumm die Lippen bewegen sollen. Zweiterer macht seine politische Aussage deutlich versteckter und auf der Interpretationsebene. Diese verstecke Art der Aussage gefällt mir persönlich sogar besser, mindert aber wahrscheinlich seine Chancen, den Award zu bekommen – insbesondere in Zeiten von direkten, deutlichen Ansprachen, in Zeiten von Donald Trump.

Wird gewinnen: Ennemis Intérieurs
Könnte gewinnen: Sing
Sollte gewinnen: Sing


Tonbearbeitung (Sound Editing):

Nominiert: La La Land, Arrival, Hacksaw Ridge, Deepwater Horizon, Sully

„Der Ton macht die Musik“ – wenn es danach geht, muss der Preisträger in beiden Kategorien La La Land heißen. Und vielleicht wird er das auch. Aber die Soundeffekte in Arrival sind schon beeindruckend. Nichts kann die Fremdartigkeit der Welt und ihrer Wesen mit der die Menschheit in dem Sci-Fi-Epos konfrontiert sind besser zum Ausdruck bringen, als die Geräusche, die dazu gehören. So viele kleine Momente des Erstaunens und Erschreckens, soviele Schnitte, nach denen die Welt wieder völlig anders klingt. Vielleicht ist das eine Situation, in der die Tonbearbeitung sogar noch wichtiger ist, als bei Musik.

Wird gewinnen: Arrival
Könnte gewinnen: La La Land
Sollte gewinnen: Arrival


Tonmischung (Sound Mixing):

Nominiert: La La Land, Arrival, Hacksaw Ridge, Rogue One: A Star Wars Story, 13 Hours: The Secret Soldiers Of Benghazi

Action- oder actionreiche Filme haben in dieser Kategorie traditionell gute Karten. Schließlich wirkt gute Action nicht ohne den richtigen Soundmix. Mit Hacksaw Ridge, 13 Hours und Rogue One: Der Star Wars Überbrückung sind gleich drei Kandidaten aus dieser Riege vertreten. Aber, wie so oft und wie auch schon bei der Tonbearbeitung, gibt es da eben in diesem Jahr noch Arrival und – natürlich – La La Land. „Der Ton macht die Musik“ – das gilt für die Mischung sogar noch ein wenig mehr als für die Bearbeitung des Tons. In der Vergangenheit wurde gute Musikmischung in den meisten Fällen honoriert. Und weil La La Land nun einmal bekanntermaßen ein Musikfilm ist, dürfte er in diesem Fall die Nase vorn haben.

Wird gewinnen: La La Land
Könnte gewinnen: Arrival
Sollte gewinnen: La La Land


Visuelle Effekte (Visual Effects):

Nominiert: Deepwater Horizon, Kubo – der tapfere Samurai, Rogue One: A Star Wars Story, Doctor Strange, The Jungle Book

Dass Kubo in dieser Kategorie nominiert ist, ist schon irgendwie süß. Ein Film, der ausschließlich aus Animationen besteht, sollte vermutlich auch über ausreichend gute verfügen. Die visuellen Effekte im Film sind jedoch schon außergewöhnlich, aber vermutlich sehen die Stimmberechtigten die Vorzüge des Films eher in der Animationssparte.

Die Vorreiter in dieser Kategorie sind, auch wenn ein Star Wars Lückenfüller schon aus Prinzip nominiert ist, die beiden Filme, die ausschließlich in dieser Kategorie nominiert sind. Einer enthält massenweise animierte Tiere, deren Bewegungen, Mimik und Haare realitätsnah und mit viel Liebe zum Detail über die Leinwand flimmern. Doch die animierten Steine, die beim Einsturz des Dschungelpalastes durch die Gegend fliegen, sind eben auch als solche zu erkennen – animiert! Eigentlich kann es deshalb in dieser Kategorie nur einen Sieger geben: Nach fünf Minuten Doctor Strange ist mein räumliches Empfinden durch die auf die Leinwand projizierten Spiegelwelten vollkommen durcheinander gewirbelt. Man weiß nicht mehr, wo oben ist und wo unten und was echte Kulisse ist und was visueller Effekt. Bekanntermaßen hat jede Comicverfilmung bei der Academy einen schweren Stand. Das könnte es in dieser Kategorie noch einmal spannend machen. Wenn es nach der reinen Umsetzung geht, kann es aber nur einen Sieger geben – das erkennt hoffentlich sogar die Academy.

Wird gewinnen: Doctor Strange
Könnte gewinnen: The Jungle Book
Sollte gewinnen: Doctor Strange


Adaptiertes Drehbuch (Writing, Adapted Screenplay):

Nominiert: Moonlight, Arrival, Fences, Lion, Hidden Figures

Als Zuschauer eines Films ist es schwierig, zu beurteilen, welchen Anteil ein adaptiertes Drehbuch an der tatsächlichen Umsetzung des Filmes hatte. Deshalb schaue ich mir, auch in diesem Fall, die Story an, die erzählt wird und welche Ecken sie macht, welche Überraschungen sie zu bieten hat, wie unterhaltsam sie ist. Eigentlich käme ich dann nicht umhin, Arrival ganz nach oben auf die Liste zu setzen. Doch insbesondere in dieser Kategorie hat die Academy oft auch auf die Entstehung der Geschichte und auf ihre Hintergründe geschaut. Wenn man das berücksichtigt, bleibt Arrival schon fast abgeschlagen zurück. Stattdessen drängen sich Moonlight und Fences in den Vordergrund. Dass Moonlight mein Favorit ist, kann ich nur mit meinem Gefühl begründen. So oft nominiert, meistens hinter dem Favoriten La La Land zurück und in dieser Kategorie eben nicht in Konkurrenz dazu. Es ist ein bisschen ungerecht, in einer solch wichtigen Kategorie so etwas wie einen Mitleids-Oscar auch nur anzudeuten. Trotzdem hat die Academy in der Vergangenheit oft ein Gespür dafür bewiesen, an welcher Stelle ein Film die vielleicht größten Chancen hat, der einfach in seiner Gesamtheit Oscars verdient hat. Das gleiche Argument könnte auch für Fences gelten, der aber in seiner Gesamtheit eben vielleicht doch am Ende der eine Nummer kleinere Film ist.

Wird gewinnen: Moonlight
Könnte gewinnen: Fences
Sollte gewinnen: Moonlight


Originaldrehbuch (Writing, Original Screenplay):

Nominiert: La La Land, Manchester By The Sea, Hell Or High Water, 20th Century Women, The Lobster

Man könnte es sich einfach machen und anhand der Nominierten davon ausgehen, dass es in dieser Kategorie auf einen Zweikampf zwischen den Top-Nominierten La La Land und Manchester By The Sea hinausläuft, mit gegebenenfalls Außenseiterchancen für Hell Or High Water. Und wahrscheinlich ist es auch genau so. Die Story von La La Land hat durchaus einige Wendungen und Überraschungen zu bieten, aber bleibt trotz allem das Märchen aus der Traumfabrik. Was kein Argument gegen eine Auszeichnung sein muss – im Gegenteil, immerhin reden wir hier von Hollywood. Und dennoch, die Geschichte aus Manchester By The Sea hat so viel Tiefgang, soviel Gespür für die kleinen Momente und vor allem starke Dialoge. Die Personen, die hier aufeinander treffen sind so verschieden und bringen so unterschiedliche Hintergründe mit, die in den Dialogen glaubhaft wiedergegeben werden müssen. Der jahrelang abwesende Onkel und sein pubertierender Neffe. Dieser mit seiner Mutter, seiner Band, seiner Freundin. Diese mit ihrer Mutter. Diese wiederum mit besagtem Onkel. Der mit seiner Exfrau Jahre nach einer Tragödie aufeinander trifft. Der sich mit Lehrern, Nachbarn, Freunden, Ärzten und Anwälten auseinandersetzen muss. Diese ganze Geschichte wirkt trotz ihrer Komplexität zu keiner Sekunde unglaubwürdig. Auch wenn Glaubwürdigkeit gar nicht das Ziel eines Films wie La La Land ist, können die Cafédialoge über glutenfreie Produkte und die Unterhaltungen zwischen Emma Stone und Ryan Gosling über ihre Beziehung-oder-auch-nicht einfach nicht mithalten. Was es bleibt, ist die überraschend gute Umsetzung einer wenig überraschenden Story-Idee. Warten wir es ab.

Wird gewinnen: Manchester By The Sea
Könnte gewinnen: La La Land
Sollte gewinnen: Manchester By The Sea

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3 Kommentare

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