Maskenball

Maske oder nicht? Seit heute sind die Maßnahmen in Folge der COVID-19-Pandemie wieder etwas gelockert. Die Regierung sagt, es besteht keine Pflicht zum Tragen von Gesichtsmasken. Der Ministerpräsident von NRW meint, man müsse den Menschen auch das Gefühl lassen, Dinge selbst zu entscheiden.* Und ja, es werden zurzeit wirklich viele Dinge vorgeschrieben. Nicht wenige wettern dagegen, dass unsere Grundrechte extrem eingeschränkt werden. Ich lese auf Twitter Meinungen wie

„Bevor ich so ein Ding anlege, gehe ich lieber gar nicht mehr raus!“

Es ist also wichtig, dass wir selbst entscheiden können – im Zweifel eben wenigstens zwischen diesen beiden Optionen.

Und das wäre wohl vernünftig, nach allem, was Menschen mit dem nötigen Hintergrundwissen zu Medizin und Wissenschaft erzählen. Ich gebe es gerne und offen zu: Ich hielt Gesichtsmasken lange für übertrieben, gar überflüssig. Was soll das überhaupt bringen? Das fing nicht erst mit den ersten Gesichtsmasken an, die infolge der Pandemie vermehrt in der Öffentlichkeit auftauchten. Schon viel früher konnte ich nicht verstehen, wieso Menschen mit einem Stofffetzen vor dem Gesicht durch Städte spazieren.

*Zwei Tage, nachdem der Beitrag verfasst wurde, beschlossen viele Länder und Kommunen eine Maskenpflicht.

Tausche Brett vor dem Kopf gegen Maske

Heute bin ich schlauer. Und es ist eigentlich ganz simpel. Eine Gesichtsmaske schützt mich nicht davor, mich mit irgendetwas anzustecken, schon gar nicht zu 100%. Sie schützt andere. Natürlich auch nicht zu 100%, einen solchen Schutz gibt es einfach nicht. Es kann und darf auch nicht die einzige Maßnahme sein, die man ergreift. Nur weil ich eine Maske trage, treffe ich jetzt nicht plötzlich wieder Menschen in großen Gruppen und ignoriere den empfohlenen Sicherheitsabstand. Nicht eine einzelne Maßnahme ist die effektive Vorgehensweise, sondern die Summe macht es.

Was eine Maßnahme allein aber schon bewirken kann, lässt sich anhand eines Beispiels mal veranschaulichen. Vor einigen Tagen sah ich eine Simulation, die zeigt, wie sich Partikel verbreiten, nachdem jemand in einem Supermarkt niest. Es gehört zur guten Erziehung, auf den Boden oder in die Armbeuge zu niesen, laut Knigge sogar, sich dafür zu entschuldigen („Gesundheit!“ zu wünschen übrigens nicht). Aber in einem Supermarkt, noch dazu in Zeiten von Corona ist vielleicht beides nicht die beste Idee.

Und wenn man dann noch sieht, wie schnell und weit sich Partikel verbreiten und wie lange es dauert, bis sie zu Boden gesunken, also nicht mehr allzu gefährlich sind… Nun ja, machen wir es kurz:

Ich habe jetzt eine Gesichtsmaske!

Übrigens keinen „Mundschutz“. Denn eine solche Maske schränkt zwar die Verbreitung von potenziellen Erregern ein, bietet aber keinen medizinischen, schon gar keinen patentierten Schutz. Außerdem bin ich der Meinung, dass ein Mundschutz da sinnvoller aufgehoben ist, wo er wirklich aus medizinischen Gründen benötigt wird. Ich zeige keinerlei Symptome, gehe also nicht davon aus, dass ich wirklich eine Ansteckungsgefahr durch COVID-Erreger für andere darstelle.

Und so ein medizinischer Mundschutz ist ja vielleicht nützlich, aber wirklich nicht schön. Da verstehe ich dann sogar diejenigen, die keine große Lust haben, damit unterwegs zu sein. Selbst genähte Masken aus Stoff bieten da ganz andere Möglichkeiten. „Welcher Stoff soll es denn sein?“ fragte die liebe Freundin, die ihr Zuhause inzwischen kurzerhand zur Nähstation umfunktioniert hat und viele Menschen aus ihrem Umfeld mit Masken versorgt. In allen Farbgebungen, die der Fundus an Stoffresten hergibt: Neutrale Cremetöne, kräftiges Blau, aber auch verschiedene bunte Muster mit Tieren und Blümchen.

Der Trend geht zur Maske

Auch die Online-Shops für Gesichtsmasken boomen. Schon vor Wochen sah ich auf Instagram Werbung für moderne, modische Masken, die man in großer Vielfalt kaufen konnte, damit man für jedes Outfit ein perfekt abgestimmtes Accessoire im Gesicht trägt. Inzwischen häufen sich die Beiträge, in denen Menschen stolz ihren Gesichstschmuck präsentieren. Ich muss zugeben – das sieht schon extrem stylisch aus. Besser zumindest, als die Ergebnisse, die zahllose mehr oder weniger ernst gemeinte Tutorials versprechen, laut denen man sich auch mit Unterwäsche – für oben und untenrum – weiterhelfen kann.

Da bleibe ich dann lieber bei meiner Variante. Die ist nicht klinisch getestet und medizinisch sicher, nicht industriell perfekt genäht. Sie bietet trotzdem einen gewissen Schutz, ist mit Liebe und Sorgfalt gemacht und garantiert ein Unikat. Und wenn genügend Reste von einem Stoff da sind, kann man sie auch wunderbar im Partnerlook tragen. Auch wenn in diesem Sommer keine Großveranstaltungen stattfinden: Der nächste Maskenball kommt bestimmt!

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