Man muss Prioritäten setzen!

flourish103/ November 19, 2018/ Gesellschaft, Meine Meinung!, Persönliches/ 0Kommentare

Man muss Prioritäten setzen!

Ich bin müde. Wieder einmal. In den letzten Wochen häuft sich das ganz schön. Zeit, mal so richtig auszuschlafen – oder?

Eigentlich stecke ich voller Pläne. So viele Ideen wie schon lange nicht mehr kreisen in meinem Kopf. Doch da haben wir schon gleich das erste Problem. Sie kreisen. Nicht alle von ihnen manifestieren sich auch, brechen durch den Kreis und sich Bahn, werden zu Taten, Ereignissen, Erlebnissen. Es sind Ideen ganz unterschiedlicher Natur. Berufliche Projekte, freundschaftliche Unternehmungen, private Pläne.

Alles ein bisschen – nichts richtig

In einer Zeit, in der ich überall etwas von neuem Minimalismus lese, den wir alle so unbedingt brauchen, ihn aber nirgends so richtig erlebe, platzt mein Kopf vor Ideen. Wahrscheinlich tut er das wirklich. Statt eine einzelne Sache geradlinig angehen zu können verfolge ich an einem Tag gefühlte 30 verschiedene Ansätze. Klar, ich bin breit aufgestellt und habe viele Möglichkeiten, etwas aus dem Tag zu machen und aus meinem Leben. Aber auf diese Weise gelingt es mir nicht, auch etwas fertig zu stellen.

Halt! Das stimmt so natürlich nicht. Beruflich läuft es gut wie schon lange nicht mehr, vielleicht noch nie. Ich bin motiviert, begeistert, begeisterungsfähig. Und dieser Spaß überträgt sich auf das, was ich mache. Es ist schön zu sehen, dass etwas funktioniert, das ich anpacke. Und dass es mir wirklich gelingt, Projekte abzuschließen. Ideen umzusetzen. Und auch privat bin ich so frei wie ewig nicht. Leben fühlt sich dieser Tage an, als habe man mir Zentner von den Schultern genommen. Wenn ich durch die Stadt spaziere, muss ich im wahrsten Sinne aufpassen, dass ich nicht anfange zu schweben.

Zwei Seiten einer Medaille

Doch womöglich ist es genau diese neue Energie, dieser wiederentdeckte Spaß am Leben, der mir ebendieses auch irgendwie wieder schwer macht. Mit so viel Energie und so viel Kraft muss es doch möglich sein, Berge zu versetzen. Oder wenigstens Bäume auszureißen. Aber zumindest doch, alle diese vielen kleinen Ideen zu verwirklichen, die mir so in den Sinn kommen. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich dazu neige, vorschnell zu viel Energie in Dinge zu stecken, für die ich mich begeistern kann. Klar, Energie in eigene Ideen zu stecken ist eine gute Eigenschaft, im Grundsatz. Und doch hat eben auch der noch so befreite und energiegeladene Mensch nur so viel Energie zur Verfügung, wie er eben hat.

Was also tun, um diese Energie zu kanalisieren? Auf einen der zigtausend Ratgeber hören, die es in Magazinen, TV und WWW gefühlt zu diesem Thema gibt. Entschleunigung, innere Balance, mehr Sport, ein strukturierter Alltag, gesunde Ernährung, viel Schlaf, am besten auch zwischendurch über den Tag verteilt, gezielte Unternehmungen mit Freunden, auch mal Zeit für sich nehmen, ein gutes Buch lesen, Kochen, die Familie besuchen, mal mit jemandem reden, Musik hören, ein Haustier zulegen, ähhh… Moment!?

Es geht eben nicht alles auf einmal!

Genau hier liegt eine wesentliche Ursache für das Problem. Wenn ich alles mache, das mir dabei helfen soll, wieder mehr zu mir selbst zu finden und zur Ruhe zu kommen, bin ich so sehr damit beschäftigt, dass ich erstens garantiert noch viel mehr Stress und zweitens schon gar keine Zeit mehr für die Dinge habe, um die es wirklich geht. Das kann es also auch nicht sein. Das alles entscheidende Stichwort muss also – wieder einmal – lauten: Prioritäten. 

Doch wie genau setze ich die eigentlich? Woher weiß ich, welche Dinge für mich wichtig sind, welche nicht. Und vor allem: Welche bleiben es auch langfristig. Berfulich nehmen mir die anfallenden Tagesaufgaben diese Entscheidung meistens ab, schließlich gibt es Dinge, die einfach jetzt erledigt werden müssen und  und die schon allein dadurch ganz oben auf der Liste der Prioritäten stehen. Doch wie sieht das privat aus? Mit Unternehmungen, Plänen, Menschen?

Ich bin ein Listen-Typ

Will ich sichergehen, dass ich wichtige Dinge, die ich erledigen muss, nicht vergesse, mache ich mir Listen. Darauf schreibe ich alles, was zu tun ist und streiche erledigte Dinge. Das gibt einem dann außerdem ein gutes Gefühl, etwas geschafft zu haben. Ich streiche es nicht nur von der Liste, sondern auch aus meinem Kopf. Doch hilft mir das in diesem Fall? Klar, ein paar Ziele, Unternehmungen, auch ggf. manche Pläne kann ich durchaus auf eine Liste schreiben und streichen, wenn ich etwas wirklich gemacht habe. Aber will ich das? Nur noch nach Listen leben, nicht mehr für den Augenblick?

Und wie geht das erst mit Menschen? Welche Freunde habe ich schon eine Weile nicht gesehen? Die rutschen dann auf der Prioritätenliste nach oben. Mal ehrlich – ergibt sich so etwas nicht? Auch daraus, dass ja auch meine Freunde durchaus ihr eigenes Leben leben und nicht dann auf Knopfdruck Zeit haben, wenn ihr Name auf meiner Liste gerade an erster Stelle steht!? In der vergangenen Woche kam es vor, dass ich Verabredungen absagen und Veranstaltungen früher als geplant verlassen musste, sogar Termine wegen eines „kurzen“ Naps verschlafen habe. Und da war er dann wieder, dieser Satz:

„Man muss Prioritäten setzen.“

So leid ich diese Aussage auch bin und so sehr sie an mancher Stelle auch durchaus als (mehr oder weniger) subtiler Vorwurf betrachtet werden kann, so wahr ist sie nun einmal auch. Wir haben nicht „keine Zeit“ Dinge zu tun. (Vielleicht haben wir insgesamt einfach für alles zu wenig Zeit, aber das ist ein anderes Thema). Wir müssen nur entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen wollen, die wir haben. Und ja, das ist eine schwierige Entscheidung. Der wir uns jeden Tag aufs neue stellen müssen.

Die vergangene Woche war voller intensiver Erlebnisse mit vielen Menschen, die mich auf ganz unterschiedliche Weise schon wieder motiviert und mir Energie geschenkt haben. Und dennoch merke ich gerade in solchen Wochen häufig auch, dass einem Erlebnisse gleichermaßen Energie geben wie auch rauben können. Die Kunst ist es, beides ins Gleichgewicht zu bringen und sich von kleinen Rückschlägen und Müdigkeitserscheinungen nicht unterkriegen zu lassen. Deshalb habe ich auch so manches Mal in der vergangenen Woche entschieden, zu schlafen, statt zu singen, zu tanzen oder zu lesen. Auch auf Kosten manch anderer sicher guter, toller, vielleicht wichtiger Erfahrungen. Man kann eben wirklich nicht alles auf einmal machen. Wie ich nun endgültig meine Prioritäten finde, setze und konsequent einhalte habe ich noch immer nicht herausgefunden. Aber diese Herausforderung nennt man wohl „alltägliches Leben.“

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