Flourishing Films 2018

flourish103/ Januar 28, 2019/ #FlourishingFilms, Emotionen, Film, Medien, Musik/ 1Kommentare

Flourishing Films 2018

Was hatten wir für tolle Filme 2018 – endlich mal wieder ein grandioses Filmjahr! So oft, wie im letzten Jahr lohnte sich der Kinobesuch schon lange nicht mehr! Umstrittene Blockbuster, Geheimfavoriten und All-Time-Meisterwerke. Und noch etwas ist anders als früher: Ich tausche meine Tasse Kaffee gegen Tee, während ich in Erinnerungen schwelge und sie für euch aufschreibe.

Die besten Filme 2018

Letzte Woche erschienen die Nominierungslisten für die Academy Awards – und siehe da: Einige der Filme dort finden sich auch in meinen Listen wieder. Aber dieses „Best of“ bleibt eine Zusammenstellung meiner persönlichen „Flourishing Films“ (Anm. d. Autors: Ja, ich weiß noch immer, dass das eigentlich „Movies“ heißen müsste. Klingt aber doof. Alliteration und so.). Auszeichnung, Einspielergebnisse und Kritiken entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg eines Films.

Für mich ist einzig und allein entscheidend, was der Film mit mir macht: Ab der ersten Sequenz sind es nur noch der Film und mich. Mainstream-Erfolg macht einen Film nicht zu meinem Film. Und mancher allgemein umstrittene Film ist für mich einer der schönsten Momente des Jahres. Dass ich das Filmjahr 2018 mochte, zeigt sich auch in der Anzahl, denn es sind ein paar mehr als letztes Jahr. Und diese Momente, diese Filme 2018 finden sich hier. Nicht als Ranking, sondern (mehr oder weniger) zufällig aufgelistet. Und wie der Zufall(?) es will, gehören erneut einige von ihnen dann auch zu den erfolgreichen und besten des Jahres.

The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Bei der letztjährigen Oscar-Verleihung wurde der Film gefeiert, im Vorfeld entstand ein riesiger Hype um das neue Werk von Guillermo del Toro. Meine Erwartungen waren sehr hoch und schon recht früh während ich ihn sah musste ich sie komplett über den Haufen werfen. Die Musik, die ich schon vorher kannte und die Ahnung, die ich durch Plakat und Titel bekam, führten mich auf eine völlig falsche Fährte, was die Handlung betrifft. Doch man kann ihn gut ansehen. Der Film enthält surreale Elementen, viele altbekannte Szenarien (Spionage, kalter Krieg) und verbindet das mit der berührenden persönlichen Geschichte der stummen Hauptfigur und eines mystischen Wasserwesens. Dennoch plätschert er im wahrsten Sinne so dahin – auf eine absolut positive Weise. Es wird nicht langweilig oder langatmig, das Ensemble spielt als Ganzes großartig und die Musik fließt geradezu hinter den sichtbaren Bildern.

Shape of Water ist vor allem auf den zweiten Blick top besetzt. Es ist, zumindest namentlich, nicht unbedingt die erste Garde Hollywoods, die diese Geschichte erzählt und es spielt sich auch niemand aus dem Ensemble ganz allein in den Vordergrund. Aber genau das macht den Film so stark. Es gibt keine Ausreißer nach oben oder unten, alles ist in sich stimmig. Das beginnt beim Ensemble und setzt sich auch in allen anderen für einen guten Film wichtigen Bausteinen fort. Handwerklich ist dieser Film ein absolutes Meisterwerk. Die Bühnenbilder, die Effekte des Wassers, die immer wieder eingebaut werden, Kameraführung und – ich wiederhole es gerne – diese unglaublich tolle Musik.

Wenn überhaupt eine Leistung aus den anderen heraus sticht, ist es die, des Regisseurs. Denn Guillermo del Toro ist nicht nur Regisseur sondern auch Drehbuchautor seines – wie viele in Hollywood es nennen – Lebenswerks. Unglaubliche Detailverliebtheit und Akribie machen den Film zu so einem guten Gesamtpaket. Und auch, wenn es für mich beim Ansehen wirklich nicht der beste Film des Jahres war, sondern allenfalls ein guter, kann man auch die herausragende Bewertung bei Preisverleihungen verstehen, wenn man sie auf die Gesamtsumme der außergewöhnlichen Leistungen zurückführt.

| Academy Awards 2018:
Picture, Director, Production Design, Original Score
Actress in a Leading Role (Nom.), Actor in a Supporting Role (Nom.), Actress in a Supporting Role (Nom.) Original Screenplay (Nom.), Cinematography (Nom.), Costume Design (Nom.), Film Editing (Nom.), Sound Editing (Nom.), Sound Mixing (Nom.)


Love, Simon

Nicht noch ein Teenie-Film! Und noch dazu einer, mit homosexueller Titelfigur. Nun gut, zweiteres ist Love, Simon absolut, ersteres aber nicht wirklich. Denn die Geschichte über das (ungewollte) Coming Out eines Schülers beleuchtet nicht nur die üblichen Teenie-Liebes-Probleme, sondern geht in die Tiefe. Klar, es gibt eine romantische Haupthandlung. Doch um diese herum ranken sich viele Nebenstränge, die ganz eigene Geschichten erzählen und Dramen zum Vorschein bringen, ohne konstruiert zu werden. Diese Story ergibt ganz einfach Sinn.

Ein durchaus namhaftes Ensemble, einige Klischees, die auf die Schippe genommen werden und ein großartig passender Soundtrack: Love, Simon ist süß, aber er ist auch mehr als das. Ohne aufdringlich zu werden bringt er auf liebenswerte, zum Teil humorvolle und dann wieder schmerzhafte Art viele Dinge auf die Leinwand, die nicht nur Homosexuelle, sondern alle direkt oder indirekt von einem Coming Out begleiteten Menschen erleben. Dabei wird man an die Hand genommen und hindurch geleitet, ganz ohne mahnenden Zeigefinger und doch mit einer klaren moralischen Botschaft. Liebe ist Liebe.


Wunder

Ein kleiner Junge, ein Leben voller Hindernisse und die ganze Welt. Lange hatte ich Zweifel, ob mich Wunder wirklich stark interessiert. Es ist ein typischer Familienfilm, Mutter, Vater, zwei Kinder und eine Situation, mit der sie konfrontiert sind. Und doch ist er mehr. Schon allein, weil Julia Roberts eben die Mutter ist. Wunder ist einer dieser Filme, die uns in vielen kleinen und größeren Szenen daran erinnern, wie gut es uns eigentlich geht. Und zugleich macht er Mut, dass auch das vermeintlich unüberwindbare Hindernis und die größte Herausforderung vor der wir stehen zu meistern ist.

Mobbing in der Schule – ganz gleich aus welchen Gründen – ist immer problematisch. Und das nicht nur für die Kinder, die gemobbt werden, sondern auch für Eltern, andere Kinder, Lehrkräfte und so weiter. Eine Krankheit, die für das Leben zeichnet, kann allen Mut und alle Hoffnung nehmen. Das Bewusstsein, nicht so sein zu können, wie die anderen, wie man es gerne möchte, kann lähmen und nicht nur ein Kind sehr traurig machen. Die Kämpfe eines Kindes, das das halbe Leben im Schatten eines Geschwisterkindes steht, eben weil alle (Für-)Sorge, alle Aufmerksamkeit und auch oft der Großteil der Zeit diesem gilt. Mehr als einmal kämpfe ich mit den Tränen.

„Wird es jemals aufhören?“ fragt Auggie seine Mutter. Tränen der Verzweiflung rinnen über sein Gesicht. Ich halte den Atem an, werde leicht panisch, was nun geschehen, wie sie antworten wird. Und es passiert das beste, was eine Mutter in dieser Situation wohl sagen kann. Sie sieht ihrem gezeichneten, verzweifelten Gesicht liebevoll, ernst und aufrichtig in die Augen. „Ich weiß es nicht.“

| Academy Awards 2018:
Makeup and Hairstyling (Nom.)


Bohemian Rhapsody

Ein Film wie ein einziges langes Gitarrensolo. Anders als der gleichnamige Song von Queen folgt der Film durchaus einem Muster, ergibt Sinn und sein Erfolgspotenzial ist von Anfang an klar erkennbar. Rami Malek spielt Freddie Mercury nicht gut, sondern bis an den Rande des Wahnsinns gut. Der verdiente Lohn ist der Golden Globe und die erstmalige Nominierung für den Oscar, für den auch der Film insgesamt fünf Mal nominiert ist. Es gibt nicht vieles auszusetzen, wenn man dem Sound und der Songs von Queen lauschen, einen Einblick in das Leben ihres Leadsängers gewinnen und einen Abend lang gut unterhalten werden möchte.

Das sehen viele auch als Manko: Ist die Story zu oberflächlich, zu weichgespült, weil sie eben für Hollywood gemacht ist? An vielen Stellen, bei Auseinandersetzung in der Band, langwierigen Prozessen und persönlichen Tiefpukten des Protagonisten gelangt man nicht in die Tiefe. Manches kann man je nach Betrachtungsweise auch als geschönt bezeichnen. Es fällt schwer zu definieren, ob es nun ein „Queen-Film“ ist oder ein Freddie Mercury Biopic? Irgenwie verliert es sich irgendwo dazwischen. Doch mir ist das alles egal, während ich im Sessel sitze und auf die Leinwand starre. Ich genieße jede Sekunde und schwelge in Erinnerungen, Gegenwart und Vorfreude auf das, was Freddie Mercurys Vermächtnis auch in der Zukunft bedeuten wird.

Einziger Wermutstropfen ist für mich schon während des Films – und das gleich mehrfach – dass es keine „echten“ Konzertszenen gibt. Die Gigs auf den großen Touren sind mir zu offensichtlich auf Kulissen gespielt, Rami Malek singt nicht wirklich, nicht selber. Und ich finde auch, wenn man selbst schon einmal gesungen hat, sieht man das. Natürlich hat es Bohemian Rhapsody da insbesondere im Vergleich zu A Star Is Born schwer. Doch genau diese Dinge machen gegebenenfalls eben den Unterschied. Aber man kann durchaus darüber streiten, ob es nicht sogar die größere schauspielerische Leistung ist, dieses Konzert zu spielen, wenn es gar keins ist.

| Academy Awards 2019:
Picture (Nom.), Actor in a Leading Role (Nom.), Film Editing (Nom.), Sound Editing (Nom.), Sound Mixing (Nom.)


Mamma Mia! Here We Go Again

Und gleich der nächste Musikfilm! 2018 scheint voll davon gewesen zu sein. Das gesamte Starensemble aus dem ersten Teil gibt sich wieder die Ehre, auch manche diesmal deutlich kürzere Auftritte haben – was mich, so wie die Story nun einmal gestrickt ist, schon von Beginn an irgendwie etwas enttäuscht. Doch wenn auch nicht so, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte – alle Lieblingsprotagonisten sind an Bord. Und mit Cher, Andy Garcia, Lily James und so weiter sogar noch einige mehr. Klar, Tiefgang, Überraschungen und anspruchsvolle Unterhaltung sind nicht die ersten Schlagworte, die zu diesem Film fallen. Aber das ist auch nicht der Anspruch. Wenngleich sich einige Abweichungen zu der Story, die im ersten Teil erzählt wird, in die Fortsetzung geschlichen haben.

Mediterrane Urlaubsgefühle, amüsante Familienunterhaltung und die Songs von ABBA sind alles, was dieser Film braucht, um ein paar Momente lang einfach gute Stimmung zu verbreiten. Und manchmal brauchen Herz und Seele eben nicht mehr, als einfach nur gute Laune. Und die verschafft der Film auf vielfältige Art. Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken „Stimmt, das ist ja auch noch von ABBA“, wenn mal wieder ein Lied beginnt, das ich kenne, gar nicht mehr wusste, dass es ja in den Filmen bisher nicht vorkam. Und jedes Mal steigt meine Laune ein kleines bisschen.

Und dann gibt es da auch diese Songs, die man schon gehört hat oder auch nicht, aber so gar nicht auf dem Schirm hat, dass sie auch von ABBA sind. Denn machen wir uns mal nichts vor: Meryl Streep, eine seichte Story und mögliche Logikfehler im Vergleich zum ersten Teil hin oder her – es geht einfach um diese Musik. Anhören, genießen und sich durch den Film tragen lassen. Andante, Andante.


Black Panther

Deadpool, wer? Infinity Was? Alles ganz nett, aber Black Panther ist die beste Comic-Verfilmung des Jahres. Schon der Trailer elektrisiert mich. Zwar hatte ich vorher nie von diesem Comic-Helden gehört, doch schon als Kind war ich ein Fan der schwarzen Raubkatzen – spätestens seit dem Dschungelbuch. Das dann auch noch Andy Serkis endlich eine wichtige Rolle übernimmt, bei der er wirklich zu sehen ist, machte schon genug Gründe aus, mir den Film unbedingt ansehen zu wollen.

Ich erwarte nicht viel, das übliche Marvel-Popcorn-Blockbuster-Unterhaltungs-Ding eben. Und ich werde zwar nicht enttäuscht, liege aber dennoch falsch. Black Panther ist typische Marvel-Unterhaltung. Action, die ausführliche und ziemlich kampflastige Vorstellung eines neuen Superhelden und seiner Herkunftsgeschichte und natürlich, zu guter Letzt, der Kampf, der ihn endgültig zum Helden werden lässt. Soweit so gut.

Aber die Besetzung ist schon ganz großes Kino. Ein paar Namen gefällig? Angela Bassett, Martin Freeman, Daniel Kaluuya, Forest Whitaker, eben Andy Serkis und Lupita N‘yongo, dazu Chadwick Boseman als Black Panther. Dass die Protagonisten hier eben an der Spitze eines schwarzafrikanischen Volkes stehen und ihnen der weiße, amerikanische Geheimagent allenfalls assistiert unterscheidet diesen von anderen Comic-Filmen. Special Effekts in Bild und Ton, authentisches Setting, epische Musik und jede Menge Action sind da quasi nur das Bonusprogramm. Keine Ahnung, ob das Oscar-Nominierungen rechtfertigt, aber es ist sicher einer der besten Marvel-Filme.

| Academy Awards 2019:
Picture (Nom.), Production Design (Nom.), Costume Design (Nom.), Original Score (Nom.), Original Song (Nom.), Sound Editing (Nom.), Sound Mixing (Nom.)


Die Verlegerin

Wie es scheint vergeht kein Filmjahr ohne eine oscarverdächtige Leistung von Meryl Streep. Die Zusammenarbeit von Steven Spielberg als Regisseur mit Tom Hanks und eben Meryl Streep in den Hauptrollen eines historischen Dramas schreit geradezu danach, für Oscars nominiert werden zu wollen. Um ehrlich zu sein, fand ich die Geschichte an sich nicht besonders reizvoll und hätte es ebendiese Konstellation nicht gegeben, ich hätte den Film wohl gar nicht angesehen.

Aber zum Glück gab es sie. Denn wider Erwarten werde ich von einem Film mit politisch und gesellschaftskritisch motiviertem Thema gut unterhalten und auch zwischenzeitliche Längen werden vom guten Spiel überbrückt. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich mich mehrmals zwischendurch frage, wann es denn mit dem Film eigentlich so richtig losgeht – das Erzähltempo sorgt dafür, dass ich durchgängig dranbleibe ohne dass eine komplizierte Handlung zu überfordern droht. Vermutlich nicht der Film mit dem meisten Tiefgang, den größten Emotionen und der atemberaubendsten Spannung, aber eben absolut einen Kinobesuch wert.

| Academy Awards 2018:
Picture (Nom.), Actress in a Leading Role (Nom.)


Die dunkelste Stunde

Ich bin ein Fan von Gary Oldman. Nicht erst, aber doch spätestens seit den Harry Potter und Dark Knight-Reihen. Schon allein das reichte aus, um ganz sicher diesen Film sehen zu wollen. Der charismatische, charmante Gary Oldman spielt den sicher nicht weniger charismatischen, dafür aber nicht immer ganz so charmanten Winston Churchill. Und das so gut, dass die wahrlich nicht unwichtige Handlung dabei fast zur Nebensache gerät.

Gary Oldman spielt sich inmitten eines prominenten Ensembles deutlich in den Vordergrund und mimt die Cholerik, die Sprache, die Zerissenheit und Krankheit des britischen Premiers eindrucksvoll. Man nimmt ihm den Wahnsinn durchaus ab. Und dennoch empfindet man Sympathie für diesen Mann, der so verstockt ist in seinen Ansichten und zeitweise so unmenschlich gegenüber anderen Menschen. Der Oscar ist keine Überraschung und alles andere als unverdient, auch wenn manche ihn für eine Art Auszeichnung für Gary Oldmans Gesamtwerk halten.

Diese Biographie ist wirklich das, was man sich darunter vorstellt. Von Anfang bis Ende des Films steht die Person Winston Churchill im Vordergrund, politisch wie persönlich. Und es gelingt, die historisch bekannten Fakten der Weltpolitik mit dem privaten Leben zu verknüpfen, ohne dass einer der beiden Handlungsstränge die Oberhand bekommt. Ist die Person Churchills dabei vielleicht ein wenig zu weichgezeichnet? Sind manche historischen Zusammenhänge vielleicht nicht hundertprozentig korrekt? Und ist es vielleicht sogar eher ein Manko, dass die historische Rahmenhandlung eben ein wenig in den Hintergrund gerät? Schon möglich, aber es bleibt eben immer noch einfach ein Film – und ein guter dazu.

| Academy Awards 2018:
Actor in a Leading Role, Makeup & Hairstyling
Picture (Nom.), Cinematography (Nom.), Production Design (Nom.), Costume Design (Nom.)


Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen

Seit der letzten Sekunde des ersten Teils wartete ich sehnsüchtig auf die neue Geschichte aus dem Harry Potter-Universum. Und als es dann endlich soweit war, sog ich jede Sekunde des zweiten Teils auf. Bereits zum Ende der ersten Geschichte war klar, es würde in dieser Reihe um Grindelwald und seine Taten gehen. Doch bei genauem Nachdenken wird die Handlung des Films dem Titel „Grindelwalds Verbrechen“ nicht so richtig gerecht. Die Machenschaften des Zauberers und seine Pläne bilden zwar den Rahmen, stehen aber wirklich nicht im Zentrum der Handlung.

Da ich mir ohnehin eine Handlung etwas fern den „alten“ Harry Potter-Geschichten gewünscht hatte, soll mir das nur recht sein. Und wie schon im ersten Teil gilt – solange Eddie Redmayne als Newt Scamander oft genug verschmitzt in die Kamera lächelt ist mir die Handlung sowieso weitestgehend egal. Auch wenn er Konkurrenz bekommt. Das Ensemble ist deutlich prominenter – und besser – besetzt und Ezra Miller kommt eine deutlich größere Rolle zu.

Auch in der Fortsetzung bleibt die wenig überraschende aber dennoch nicht minder enttäuschende Erkenntnis, dass die Popularität der prominenter besetzten Rollen eben auch kein Zufall ist. Eddie Redmayne, Ezra Miller, Jude Law und auch Johnny Depp spielen die restliche Besetzung geradezu in Grund und Boden. Das ist insofern schade, als damit zwar die Hauptrollen auch offensichtlich gut besetzt sind, aber eben auch ausschließlich männlich. Insbesondere mit der Vorgeschichte von Johnny Depp ist das schon ein kleiner Wehrmutstropfen. Nichtsdestotrotz: Auch und gerade Dank ihm tauche ich ein in die magische Welt, bin gefangen, solange der Film läuft und kehre nur widerwillig zurück in die Realität, bis in langen zwei Jahren das nächste Abenteuer wartet.


Unsere Erde 2

Öfter mal was neues! Überraschung, Dokumentarfilm. Schon als Kind liebte ich Natur- und insbesondere Tierdokus. Trotzdem schaffte ich es erst zum zweiten Mal, mir auch eine im Kino anzusehen. Das erste mal war eher ernüchternd und den ersten Teil der BBC-Doku habe ich gar nicht gesehen. Aber der zweite lohnt sich. Die Großaufnahmen, Zeitlupen und Panoramabilder sind beeindruckend. Und dann gibt es diese vielen kleinen Geschichten, die erzählt werden. Ganz so, wie ich das aus den Fernsehdokus von früher kenne. Nur eben mit der Stimme von Günther Jauch. Das hätte meinetwegen nicht unbedingt sein müssen, aber man gewöhnt sich daran. Auch, weil die Bilder oft vielmehr sagen, als die Worte, die sie nur auf charmante Weise miteinander verknüpfen.

Und auch wenn es nicht einfach nur eine Aneinanderreihung von Bildern und Fakten ist, sondern auf humorvolle Art die Naturereignisse als Geschichten erzählt, nimmt die Doku ihren Bildungsauftrag ernst. Die Botschaft ist, dass die Erde, wie sie in diesem Film zu sehen ist, uns nicht erhalten bleibt, wenn nicht alle bereit sind, sich dafür einzusetzen. Obwohl ich den Film an einem Feiertag im Kino sehe ist der Saal fast leer. Das stimmt mich ein wenig traurig. Denn nicht nur Comic-Verfilmungen und Animationsfilme sind es wert, von Eltern mit ihren Kindern gesehen zu werden. Es macht einfach Spaß, sich anzusehen, auf was für einem Planeten wir leben.


Blackmirror: Bandersnatch

Man könnte es das TV-Highlight des Jahres nennen – wäre die Netflix-Produktion auch nur ansatzweise vergleichbar mit etwas, das im linearen Fernsehen läuft. Nicht einmal ansehen kann man diesen Film mit einem gewöhnlichen TV-Gerät, weil man immer wieder innerhalb weniger Sekunden entscheiden muss, wie sich der Protagonist entscheiden soll. Dadurch beeinflusst und verändert man die Handlung, mal mehr und mal weniger auffällig und entscheidend.

Die Auflösung der Geschichte ist deshalb auch immer wieder eine andere, je nachdem welche Varianten man wählt. Und ändert man auch nur ein kleines Puzzleteil gelangt man womöglich an ein völlig anderes Ende. Die Story an sich ist spannend, aber nicht herausragend, sie lebt von den Unterschieden, den Entscheidungsmöglichkeiten und der Interaktivität. Diese verschiedenen Handlungsstränge so miteinander zu verknüpfen, dass eine fehlerfreie und dennoch immer wieder neue Linie entsteht, ist handwerklich beeindruckend. Gut möglich, dass Netflix hier ein Meilenstein in der Filmgeschichte gelungen ist.


Call Me By Your Name

Uff. Dieses Wort beschreibt am besten meine Gefühle, wenn ich an diesen Film denke. Ein Wort, so vielschichtig und von so viel unterschiedlichen Bedeutungen, wie es auch meine Meinung zu diesem Film ist. Um das gleich mal vorweg zu nehmen: Ich finde ihn gut. Aber Call Me By Your Name ist eben kein Film, den man sich einfach mal so für gute Laune zwischendurch im Kino ansieht. Obwohl er alles dafür mitbringt: Ein italienischer Sommer vor einigen Jahren, Jugendliche, Familienidylle und eine Liebesgeschichte. Die Zutaten klingen im ersten Moment nach der klassischen 0815-Hollywood-Schnulze. Doch schon in der ersten Sekunde des Films wird klar, dass er keine ist.

Eine mutige, kleine Produktion, ohne große Stars, dafür mit viel Liebe zum Detail und leidenschaftlichem Spiel, das Timothée Chalamet eine Oscar-Nominierung einbrachte. Liebe ist eine komplizierte Sache. Doch eine Liebe zwischen zwei Menschen, die aufgrund des Altersunterschieds, der unterschiedlichen Herkunft und des gleichen Geschlechts in den 80er-Jahren in Italien aufblüht, füllt eigentlich mehr als nur einen Film. Genau genommen füllt sie ein ganzes Buch. Doch ich habe nie von ihr gehört, bis ich den Film im Kino sehe.

Irgendwie braucht die Handlung eine Weile, bis ich ihr wirklich folgen kann und will, doch dann lässt sie mich nicht mehr los. Der Charme des italienischen Sommers nimmt mich gefangen. So viel romantische Belanglosigkeit mit so viel Ernsthaftigkeit umgesetzt und so viel Leichtigkeit gespielt habe ich selten in Filmen gesehen. Ich schwanke zwischen dem Gefühl, dass der Film ewig dauert und dass ich will, dass er niemals endet. Und als er es dann tut, bin ich erleichtert, unzufrieden und einverstanden gleichermaßen. Schon während der Film läuft werde ich das Gefühl nicht los, ihn nicht mehr loszuwerden. Call Me By Your Name ist alles und nichts. Keine seichte Unterhaltung, kein übertriebener Tiefgang. Eigentlich nichts neues für jemanden, der einige der erzählten Situationen womöglich kennt und ähnlich selbst erlebt hat. Und ganz sicher auch nicht der richtige Film für diejenigen, die darüber einen Einstieg in einer der Thematiken suchen. Uff.

| Academy Awards 2018:
Adapted Screenplay
Picture (Nom.), Actor in a Leading Role (Nom.), Original Song (Nom.)


A Star Is Born

Für diesen Film fehlen mir schlichtweg die Superlative. Und ich könnte an dieser Stelle nicht mehr und schon gar nichts besseres darüber schreiben, als in dem eigenen Beitrag darüber.

Ich liebe Musikfilme. Aber nicht viele Soundtracks schaffen, was dieser erreicht hat. Unabhängig vom Film einfach aus musikalischer Sicht mag ich viele der Songs. Als ich den Film sehe, wird das nur noch besser. Bradley Cooper spielt in A Star Is Born keinen Rockstar, er ist einer. Wenn man ihn auf der Bühne performen sieht und singen hört käme man nicht auf die Idee, dass er das eigentlich nicht hauptberuflich macht. Was Bradley Cooper in A Star Is Born auf die Leinwand bringt, übertrifft das meiste, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Gesanglich, aber eben auch schauspielerisch. Dass er – ganz nebenbei – auch noch Regie führt, an Songs und Drehbuch geschrieben und den Film mitproduziert hat, macht seine Leistung umso beeindruckender.

Übertroffen wird das eigentlich nur noch von Lady Gaga. Alles, was sie bisher anstellt, erhält ihren Stempel und ist für mich irgendwie „typisch Gaga“. In A Star Is Born sehe ich aber eben nicht Lady Gaga, die eine Rolle spielt, sondern Ally. Die Mimik, das gesamte Auftreten und vor allem der Gesang sind nicht wirklich „typisch Gaga“. Und ich sitze also im Kino und sehe nicht zwei Weltstars bei der vielleicht die größten Leistung ihrer Karriere, sondern sehe Ally und Jackson Maine. Und ich glaube jede Sekunde, die in diesem Film geschieht.

Eines der absoluten Filmhighlights des Jahres. Schauspielerisch, musikalisch und auch, was seine Handlung angeht. The next level.

| Academy Awards 2019:
Picture (Nom.), Actor In A Leading Role (Nom.), Actress In A Leading Role (Nom.), Actor In A Supporting Role (Nom.), Adapted Screenplay (Nom.), Cinematography (Nom.), Original Song (Nom.), Sound Mixing (Nom.)


Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Schauspielerisch, von der Story und mit allem, wie dieser Film mich im Kino mitgerissen hat, ist Three Billboards Outside Ebbing, Missouri für mich ganz vorne unter besten Filmen, die ich 2018 gesehen habe. Frances McDormand spielt eine auf Rache sinnende Mutter, als würde sie persönlich nicht ruhen, bis sie ihre Rache bekommt.

Übertroffen wird ihr Spiel nur noch von Sam Rockwell als Polizist, der aufgrund seiner Einstellung zur Arbeit die Aufklärung eines Mordfalls nicht vorantreibt, sondern alles nur noch schlimmer macht. Das Ganze könnte ob dieser Vorgaben und auch durch zahlreiche eingestreute Humoreinlagen zu einer seichten Klamauk-Show verkommen, wäre das großartig besetzte Drama nicht ebenso großartig inszeniert.

Farbgebung, Bildauswahl und die getragene Musik mit einem immer wiederkehrenden Thema geben die ganze Tristesse wieder, die den Alltag von Ebbing in Missouri ausmacht – bis er von einer wütenden Mutter jäh verändert wird. Die Story ist keine für die Geschichtsbücher, auch wenn der Film aufzurütteln vermag und durchaus klare Botschaften sendet an Gesellschaft, Behörden – und Eltern. Der Film ist hart, gewaltig und gewalttätig, er tut weh, verstört und überrascht – und am Ende sitze ich ratlos da, aber gleichermaßen begeistert.

| Academy Awards 2018:
Actress In A Leading Role, Actor In A Supporting Role
Picture (Nom.), Actor In A Supporting Role (Nom.), Original Screenplay (Nom.), Original Score (Nom.), Film Editing (Nom.)


A Quiet Place

Irgendwie flog dieser Film geräuschlos unter dem Radar. Ich kenne kaum jemanden, der mitbekommen hat, dass er in den Kinos lief – geschweige denn, das ihn jemand gesehen hat. Dabei ist das echt ein Erlebnis. In einer dystopischen Welt, in der es tödlich sein kann, laute Geräusche zu machen, wird insbesondere das zum Hauptbestandteil des Films: Geräusche. Weil diese nach Möglichkeit vermieden werden müssen, wird man beim Betrachten des Films gezwungen, sie deutlich bewusster wahrzunehmen. Jede falsche Bewegung, ein Schritt auf zu hartem Untergrund und erst recht Gespräche hallen in die sonstige Stille hinein.

Mit meinen neuen Hörgeräten war A Quiet Place für mich ein ganz besonders intensives Erlebnis. Vor allem, weil eines der Kinder der Familie, die im Zentrum des Films steht, auch an einer Hörschwäche leidet. In einer Welt ohne Geräusche vermutlich kein Problem. Doch aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man manchmal eben auch deutlich lauter ist, als man zu sein glaubt. A Quiet Place ist für mich einer der beeindruckendsten Filme 2018. Erwartbare und dennoch überraschend laute Geräusche, eine durch die lange Geräuschlosigkeit wahnsinnig aufgeladene Stimmung und ein Gespür dafür, was welche Geräusche macht und wie die Lösung für scheinbar ausweglose Situationen aussehen kann – man taucht in diese dystopische Welt ein. Diese Geräuschintensitäten sind sensationell gut umgesetzt. Nach dem Kinobesuch brauche ich eine Weile, um alltägliche Geräusche wieder normal zu finden.

| Academy Awards 2019:
Sound Editing (Nom.)


Außerdem gab es da noch…

  • Aufbruch zum Mond
  • Der Vorname
  • Jurassic World 2
  • Lady Bird

und weitere Filme, die 2018 erfolgreich, beliebt und gut besetzt waren und vielleicht sogar eigentlich zu den wichtigsten des Jahres gehören. Aber ich schreibe und urteile auch diesmal nicht über Filme, die ich (bisher) nie gesehen habe. Deshalb hat auch diese Liste eben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber wie immer werden sich manchen Filme noch auf meiner persönlichen Liste einfinden.

Und ja, auch im starken Filmjahr 2018 gab es Filme, die ich ganz bewusst nicht gesehen, oder ganz bewusst nicht in diese Liste aufgenommen habe. Das wäre dann wieder etwas für eine Liste der unnötigsten Filme des Jahres… 😉

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