Flourishing Film: A Star Is Born

flourish103/ Oktober 17, 2018/ #FlourishingFilms, Emotionen, Film, Medien, Musik/ 1Kommentare

Flourishing Film: A Star Is Born

This is the next level!

A Star Is Born - offizielles Filmplakat

A Star Is Born, offizielles Filmplakat (Warner)

Black Eyes opened wide – mit seinen ersten Worten, begleitet von dröhnenden Gitarren, packt mich dieser Film endgültig. Doch eigentlich beginnt dieses Gefühl schon weit vor der ersten Szene.

Als ich den Trailer das erste Mal sehe – sogar im Kino – bin ich gefesselt von nur wenigen Akkorden, ein paar Tönen und Satzfetzen aus einem einzelnen Song. Wenige Tage vor der Premiere des Films erscheint dann „Shallow“. Und ich bin zum ersten Mal seit „Bad Romance“ vom ersten Moment an verliebt in einen Song von Lady Gaga. Es soll nicht das letzte Mal bleiben. Während des Films passiert mir das noch gleich mehrere Male. „Is that alright?“ ist eine der besten Liebeserklärungen in einem Lied, die ich jemals gehört habe. Immer wieder flimmern typische, moderne Popsongs über die Leinwand und durch die Boxen, die nach sehr vielem klingen, aber nicht nach irgendetwas, das ich mit Lady Gaga in Verbindung bringen würde (und genau deshalb passen sie so perfekt zu diesem Film – aber dazu später noch mehr) – abwechselnd mit sehr rockigen Tracks.

Und dann ist da „Always Remember Us This Way“. Nicht nur wegen der Einbettung in die Geschichte, wegen des Momentums, das er im Film schafft, sondern weil er für mich auch abseits des Films so viel Wahrheit enthält. Dieses Lied würde auch ohne den Film bei mir funktionieren. Es löst vieles in mir aus. Erinnerungen, verborgene Gefühle, Sehnsüchte, Ängste und gleichzeitig einen beruhigenden, tiefen Frieden.

„Ich werde mich immer an uns auf diese Weise erinnern“.

Egal was vorher war und nachher kommt, egal wer wir waren und sein werden, dieser Moment wird immer bleiben und niemand wird ihn uns nehmen können. Niemand wird ihn mir nehmen können.

Far from the shallow – dieser Film geht tiefer!

Die Geschichte, die A Star Is Born erzählt, ist nicht neu. Noch nicht einmal, wenn man außer Acht lässt, dass die Version, die aktuell in den Kinos läuft, bereits die vierte Verfilmung ist. Mann trifft Frau, beide verlieben sich obwohl sie aus völlig verschiedenen Welten kommen und es entsteht eine dramatische Geschichte mit noch dramatischeren Wende- und Höhepunkten. Das ist klassisches Hollywood-Kino. Was genau also ist an diesem Film „the next level“ – das nächste Level? Ich könnte es mir einfach machen und sagen: Einfach alles!

Ich liebe Musikfilme. Und viele großartige Soundtracks haben in mir tiefe Emotionen ausgelöst und tun es immer wieder. Aber nicht viele Soundtracks schaffen, was dieser erreicht hat. Denn auch ganz ohne Bindung zum Film und ohne das Wissen um die Story mag ich eine Menge der Songs einfach aus musikalischer Sicht, die Lady Gaga und – Achtung – Bradley Cooper da eingesungen haben. Womit wir bei dem ersten wesentlichen Faktor sind.

Oscarreif

Bradley Cooper spielt in A Star Is Born keinen Rockstar, er ist einer. Wenn man ihn auf der Bühne performen sieht und singen hört käme man nicht auf die Idee, dass er nicht nur kein professioneller Musiker ist, sondern das sogar vor diesem Film noch nie gemacht hat. Der Mann kann singen – und wie! Dazu kommt, dass die Musik, die sein Filmcharakter Jackson Maine macht, genau meinen Musikgeschmack trifft – aber darüber lässt sich, bekanntermaßen, streiten.

Worüber man beim besten Willen nicht streiten kann, ist seine schauspielerische Leistung. Unglaublich, dass der Mann, der auch und vor allem Dank einer Komödie über betrunkene Männer seinen Durchbruch erlebte, bereits in den vergangenen Jahren immer wieder für einen Oscar nominiert war. Und doch – nein, eigentlich nicht. Was Bradley Cooper in A Star Is Born auf die Leinwand bringt, übertrifft das meiste, was ich in den letzten Jahren auch in prämierten Filmen gesehen habe. Gesanglich, aber eben auch schauspielerisch. Schon, wenn man ganz außer Acht lässt, dass er eben, quasi ganz nebenbei, einen Rockstar spielt.

Ich bin nicht mal wirklich ein Fan seines Spiels oder von ihm als Schauspieler allgemein. Aber ich vergesse vom ersten Moment an, dass ich dort Bradley Cooper sehe. Ich sehe Jackson Maine und das, was dieser Musiker neben seinem Leben auf der Bühne macht und durchmacht. Dass Cooper – ebenfalls nebenbei – auch noch Regie führt, an Songs und Drehbuch geschrieben und den Film mitproduziert hat, macht seine Leistung umso beeindruckender.

Ist das noch Lady Gaga?

Übertroffen wird das eigentlich nur noch von Lady Gaga. Ich hatte Angst, diesen Film anzusehen (wenngleich keinerlei Zweifel bestand, dass ich ihn sehen würde). Auch wenn ich mich nicht unbedingt als besonderen Fan bezeichnen würde, bewundere ich Lady Gagas künstlerisches Schaffen. Alles, was sie bisher anstellt, erhält ihren Stempel und ist für mich irgendwie „typisch Gaga“. Das trifft, meiner Meinung nach, auch auf ihre erste größere und mit einem Golden Globe ausgezeichnete Rolle in American Horror Story zu. Irgendwie ist sie Teil der Serie und ihrer Handlung, aber immer doch auch als Lady Gaga.

Klar ist, die Story der unbekannten, erfolglosen grauen Maus, die mit ihrem großen Talent aber eben nicht erfolgreich ist, funktioniert nicht, wenn man Lady Gaga zusieht, wie sie das zu verkörpern versucht. Doch auch das mache ich nicht. Von der ersten Sekunde an nicht. Anders als in Projekten wie Not A Girl: Crossroads, Burlesque oder zuletzt Mamma Mia: Here We Go Again sehe ich nicht Weltstars, die auch eine Rolle in einem Film ausfüllen, aber letzten Endes doch immer der Weltstar sind, dem man dabei zusieht.

Ich sehe nicht Lady Gaga, nicht einmal Stefani (wie auch Bradley Cooper sie in Interviews gelegentlich aus Versehen nennt, wenn er über sie spricht), sondern Ally. Dass Ally nicht aussieht wie Lady Gaga hilft sicher. Doch auch Mimik, gesamtes Auftreten und vor allem der Gesang sind nicht wirklich „typisch Gaga“. Da kommt Musik, die nicht wirklich im ersten Moment nach Lady Gaga klingt, sogar ihrer Stimme gibt sie eine Farbe, die neu ist. Und ich sitze also im Kino und sehe nicht zwei Weltstars bei der vielleicht die größten Leistung ihrer Karriere, sondern sehe Ally und Jackson Maine. Und ich glaube jede Sekunde, die in diesem Film geschieht.

Ein Gesamtkunstwerk der guten Ideen

Abgesehen also von einer Story, die zwar nicht neu, aber dadurch nicht weniger ergreifend, tiefgehend und perfekter Stoff für einen guten Film ist, macht es einfach das Gesamtpaket aus durchweg guten bis überragenden Leistungen der Personen, die für diesen Film verantwortlich sind. Bradley Cooper hatte nicht eine, sondern zahllose gute Ideen. Die Idee, ausgerechnet eine schon mehrfach erzählte Story für sein Regiedebüt auszuwählen. Ausgerechnet Lady Gaga als Hauptrolle zu besetzen. Die Songs nicht nur selbst, sondern auch Live beim Dreh zu singen, damit sie authentischer wirken. Den Soundtrack von Größen wie Diane Warren, Mark Ronson und – überraschend – Lady Gaga schreiben zu lassen, aber auch selbst für seine Rolle zur Feder zu greifen. Und viele, viele mehr.

Viele werden sagen, A Star Is Born ist eine Art Bodyguard der heutigen Zeit. Dem kann ich nur eingeschränkt zustimmen. Zu anders ist die Story, zu anders sind die Voraussetzungen (ich weiß nicht mehr so genau, wie viele Songs Kevin Costner damals beigesteuert hat!?). Aber was ich schon während des gesamten Films mehr oder weniger bewusst vergleiche, sind die Karriereschritte zweier Personen, die eigentlich alles erreicht haben, was möglich ist. Für Whitney Houston war Bodyguard der absolute Karrierehöhepunkt. Danach ging es abwärts, wir alle wissen, wie weit und mit welchem Ausgang. Auch das schwingt auf gleich mehrere Arten für mich beim Ansehen dieses Films mit.

Der Song „I‘ll Never Love Again“ erinnert textlich, musikalisch und sogar gesanglich geradezu beängstigend an „I Will Always Love You“ ohne auch nur im Geringsten ein Abklatsch davon zu sein. Auch für Lady Gaga ist dieser Film ganz sicher der nächste große Schritt. Alles andere als eine gleich mehrfache Berücksichtigung beim wichtigsten Filmpreis der Welt wäre eine riesige Überraschung. Und damit ist sie auf einem Niveau angelangt, das vor ihr nur wenige erreicht haben – und niemand übertroffen. This is the next level. A star is born.

Ähnliche Beiträge

Share this Post

1 Kommentar

  1. Pingback: Oscars 2019 - Meine Prognose - Film - Flourish103

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Sie sollten das verwenden HTML Schlagworte und Attribute: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*
*