Fehler

Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen. Nichts im Leben geschieht ohne Grund. Eine Einstellung, eine Philosophie, der ich glaube und auf die ich vertraue. Der ich, so gut ich kann, zu folgen versuche. Und doch werde ich immer wieder auf die Probe gestellt. Von dem, was das Leben für mich bereit hält. Durch das, was in der Welt geschieht, im Großen, wie im Kleinen. Was mich ganz direkt in meinem höchstpersönlichen Lebensbereich beeinflusst oder nur sehr indirekt, weil es uns als Menschen, den Planeten Erde als Ganzes betrifft. Doch am meisten und schwersten von mir selbst.

Der Mensch macht Fehler, deshalb ist er Mensch. Wir sind einfach nicht perfekt. Doch manchmal ist es eben auch zu einfach, es nur darauf zu schieben. Manche Fehler macht man und weiß, dass es welche sind. Man trifft Entscheidungen, die man sich womöglich nicht immer leicht macht. Vielleicht redet man sich auch ein, dass man keine andere Wahl hat. Dafür kann es viele Gründe geben und nicht alle davon sind fadenscheinige Ausreden. Naivität. Dummheit oder Unwissenheit. Angst.

Ich habe Fehler gemacht. Entschuldigung!

Ich habe gelogen. Manchmal, weil ich dachte, damit Schlimmeres zu verhindern. Weil ich dachte, es sei notwendig. Und damit habe ich wieder gelogen. Mich selbst belogen. Mir etwas vorgemacht. Dinge ausgeblendet. Bewusst? Unbewusst? Ist das wirklich wichtig? Ich hatte Angst. Angst, vor den Konsequenzen. Was passiert, wenn ich Dinge eingestehe? In meinem Umfeld. Mit mir selbst.

Ich habe Fehler gemacht. Große, gewichtige, die Einfluss auf alle Bereiche des Lebens hatten. Nicht immer, aber immer wieder. Und ich habe Fehler gemacht, im Umgang mit meinen Fehlern. Ich war immer reflektiert, habe eingesehen, dass Dinge falsch waren und wollte sie ändern. Aber bei aller Reflektion war ich doch blind für einige wesentliche Dinge. Ich habe Fehler gemacht, im Umgang mit den Auswirkungen meiner Fehler, meiner Lügen, meines Handelns. Ich kann die Gründe dafür aufarbeiten. Vieles kann ich, auch im Nachhinein und reflektiert durchaus verstehen. Aber eine Ausrede dafür gibt es trotzdem nicht. Und ich bezeichne es auch selbst mit voller Absicht und in vollem Bewusstsein so – als Fehler.

Wenn die Angst, Fehler zu machen, zu Fehlern führt…

Vieles, das passiert ist, ist ungerecht. Vieles, das passiert ist, habe ich nicht oder viel zu spät erkannt und anerkannt. Es gibt so viele Kleinigkeiten, die ich nicht zu schätzen wusste, weil ich sie einfach nicht sehen konnte. Weil ich so sehr festhing in meiner eigenen Reflektion. Ich ging so verbissen auf Spuren- und Fehlersuche, dass ich das Offensichtliche übersah. Das, was nicht falsch und fehlerhaft war. Sondern gut, traumhaft, nicht mit Worten zu beschreiben. Mit dem Potential zur Perfektion. Ich übersah, was ich selbst dafür tun konnte, um es zu erhalten. Um ihm mehr und mehr Raum zu geben. Und um diese Dinge nach und nach, ohne Reflektion und Aufarbeitung völlig zu vergessen, die Vorherrschaft über meine Gedanken, meinen Alltag und über mein Leben zurück gewinnen zu lassen.

Mir ging es nicht gut. Ich war so beschäftigt damit, zu glauben, dass es besser sein muss, zu suchen, was besser sein kann, dass es mir immer schlechter ging. Ich habe mich selbst verloren, aber dich gefunden. Und mich immer wieder gefragt, ob ich bei dem Versuch mich selbst zu finden dich verlieren werde. Du hast mich auf diesem Weg unterstützt, ihn mir sogar geebnet. Du und ich, das ist möglich. Das funktioniert. Und ich hatte zu viel Angst davor, dass es nicht so ist, um es überhaupt zu versuchen. Auf eine Weise zu versuchen, die ich noch nicht kannte, ja, noch nicht kenne. Weil ich es eben nicht versucht habe.

Mein Horizont: So fern und doch so nah.

In vielerlei Hinsicht habe ich einen weiten Horizont. Ich kann viele unterschiedliche Einstellungen, Lebens- und Liebesformen von Menschen verstehen, akzeptieren und sogar unterstützen. Es gelingt mir oft erstaunlich gut, mich in andere und ihre Gedanken- und Gefühlswelten hineinzuversetzen. Was wiederum meinen eigenen Horizont erweitert. Doch das Verstehen, Erkennen und Anerkennen der Lebensentwürfe von anderen ist eine Sache. Es auch zu schaffen, das auf den eigenen anzuwenden ist etwas völlig anderes. Ich sage und meine es ehrlich, dass ich dich verstehe. Doch wie viel verstehe ich wirklich? Wie weit ist mein Horizont wirklich? Überschätze ich mich da nicht selbst? Noch so ein Fehler…

Mein Horizont konnte mir selbst nie weit genug sein. Etwas, das ich nicht als Fehler betrachte. Ganz im Gegenteil, empfinde ich ihn doch gerade als eindeutig nicht weit genug. Jeden Tag wollte ich dazulernen. Lange Zeit war das mehr als dahingesagter Idealismus. Aber irgendwann war es einfach nicht mehr Realität. Ich war ganz offensichtlich nicht mehr aufnahmefähig. Nicht einmal dafür, nicht mehr aufnahmefähig zu sein. Es fehlte an so vielem, es fehlte mir an so vielem. Und doch hatte ich so viel mehr. Schwierige, anstrengende und auf allen Ebenen tiefgehende Gespräche, die das Potential hatten, meinen Horizont für immer zu erweitern (und das oft auch erreicht haben). Wortlose Momente der inneren Zufriedenheit, die von einer ständigen Unruhe, Strebsamkeit und Ungeduld immer wieder auf die Probe gestellt wurden (und dadurch oft auch umschlugen). Eine viel zu lange Zeit schon konnte ich fast nichts mehr richtig genießen. Und ich vermisse es. Ich vermisse dich.

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