Endlich wieder Wichtiges!

flourish103/ Mai 25, 2016/ Aktuell, Fußball, Meine Meinung!, Social Media, Sport, TV/ 0Kommentare

Ihr habt es geschafft: Ich habe keine Lust mehr! Mir gehen die Themen in den Social Media auf den Keks! Aber zum Glück ändert sich das auch sofort wieder.

Insbesondere, wenn man in Köln lebt, scheinen Twitter, Facebook und Co. derzeit aus nichts anderem zu bestehen als einem knappen Wahlergebnis in einem Land, das traditionell für seltsame Politiker bekannt ist, einem alternden Hausmeister, der auf seine alten Tage nochmal so richtig die Sau rauslässt und einem Entertainer und Grimme-Preisträger, der nicht Cornelius heißt. Ich geh dann mal wieder ins Bett!

Seit geraumer Zeit interessieren sich viele Menschen in Deutschland ganz offensichtlich mehr für die Politik in anderen Ländern, als dem eigenen. Klar, es gab einen großen Aufschrei, nachdem die AfD in Länderparlamente eingezogen ist. Aber je lauter der Schrei, desto länger das Echo gilt in der deutschen Medienlandschaft eben nicht. Außerdem kommt es mir sogar so vor, als sei der Seufzer der Erleichterung über ein Wahlergebnis im Ausland diesmal sogar noch ein bisschen größer, als jener Aufschrei damals. Klar, es geht um völlig andere Wahlen mit einem völlig anderen Stellenwert. Aber hätten einige der Leute, die heute zuerst Hoffnung, dann Entrüstung aufgrund der Knappheit des Ergebnisses und dann doch wieder Erleichterung mit der ganzen Welt teilen, auch nur einen Teil dieser Energie schon vor ein paar Monaten aufgebracht um sich konkret gegen die Geschehnisse zu wenden, die sie nun verteufeln, wer weiß wie die Wahlen hierzulande ausgegangen wären? Aber es ist natürlich viel einfacher, vom Sofa aus etwas zu kommentieren, das möglichst weit entfernt ist. Mache ich ja auch. Und ich habe ein wirklich bequemes Sofa!

Von diesem muss ich noch nicht einmal aufstehen, um mehr zu erfahren als ich eigentlich wirklich will über eine neue Show, die gerade in Köln gestartet ist. Der EXPRESS ist begeistert, alle eingeladenen Premierengäste selbstredend auch, aber der ein oder andere Ottonormalzuschauer kommt an den Worten „albern“, „peinlich“ und „unnötig“ bei der Beschreibung der Show nicht vorbei. Fakt ist: Ein Konzept, abgesehen von dem Versuch, so viel nackte Haut wie möglich in eine Bühnenshow zu packen, die nicht in einem Stripclub stattfindet, konnte mir bisher niemand so richtig beschreiben (das schließt auch die darüber berichtenden lokalen Medien mit ein). Nun ja, wenns funktioniert, umso schöner. Dann ist Köln um ein Kapitel, schriller, bunter und verrückter. Dafür bin ich immer, denn wem soll das schon schaden? Und jetzt verschwinden bitte die ganzen Bilder mit einem bunt geschminkten und inmitten lauter noch mehr oder weniger mit Stoff bedeckter Menschen reichlich unpassend und – da haben wir es – peinlich aussehenden Ex-Hausmeister-Darsteller aus Köln, der das vermutlich wirklich nicht nötig gehabt hätte, aus meinem Blickfeld. Ich bin ja darauf aufmerksam geworden. Mission erfüllt!

Noch viel schlimmer als ein Österreicher im Swingerclub und ein Hausmeister als Staatspräsident (oder umgekehrt?) ist aber ja, wenn ein renommierter und unumstrittener, mehrfach ausgezeichneter und in jeder Hinsicht als seriös geltender deutscher Entertainer und Showmaster in einer unbedeutenden und so wenig zeitgemäßen Sendung, dass sie dringend abgesetzt werden muss, mal eben zur großen Lebensbeichte ausholt. Nicht!
Joko Winterscheidt heißt gar nicht Cornelius! Was für ein Skandal! Eine Person des öffentlichen Lebens, ein absoluter A-Promi, hat einen Künstlernamen! Wie kann er nur? Und jetzt beruhigen wir uns bitte alle wieder. Der eigentliche Skandal ist doch, dass das niemand wusste. Wie gut, wie perfekt kann eine solche Inszenierung denn bitte funktionieren? Ihr regt euch doch nur darüber auf, dass ihr nicht die einzigen gewesen seid, die nicht darauf hereingefallen sind. Zumal Joko Winterscheidt wirklich eben genau die Art Entertainer ist, von der man langfristig geplante Aktionen, eine sehr breit gefächterte Finte gegen die gesamte Medienlandschaft oder eben einfach einen aus einer Albernheit entstandenen großen Erfolg jederzeit erwarten muss. Man wird nicht ohne Grund Grimme-Preisträger. Pech für Joko, dass sein alter (und womöglich neuer) Spitzname Gurki nun auch an die Öffentlichkeit gelangt ist. Das liegt dann wohl an der Plattform. Ausgerechnet Zimmer Frei! im WDR. Wird demnächst abgesetzt, ist nicht mehr zeitgemäß und trifft nicht den Nerv des Zuschauers. Ah ja. Die gesamt-mediale Reaktion auf einen einzelnen Satz eines einzelnen Gastes sieht etwas anders aus. Enissa Amani hätte sich drüber gefreut!

Da sind wir dann auch schon beim eigentlichen Punkt. Ich schreibe über Enissa Amani! Wird Zeit, dass wieder was sinnvolles und wirklich wichtiges passiert, über das wir uns freuen, ärgern, aufregen und eben auslassen können. Es ist Zeit, für die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Fußball!
Die Euroüameisterschaft in Frankreich steht vor der Tür. Bin ich froh, wenn sich wieder 80 Millionen Bundestrainer über die Kadernominierung, Aufstellung, Taktik und Ausdrucksweise der DFB-Elf auslassen können. Endlich rückt wieder das einzige Thema in den Vordergrund, das die Gesellschaft vereint und wichtiger zu sein scheint, als alles andere, das auf der Welt passiert, selbst wenn der (Ex-)Präsident des Veranstalters (UEFA) wegen Korruption ein Fußball-Verbot auferlegt bekommen hat, der Weltverband (FIFA) sich gerade von seinem Reformkurs wieder verabschiedet und die übernächste WM garantiert doch in Katar stattfindet. Denn wer weiß, womöglich sind die deutschen Spieler ja am Ende sogar noch einigermaßen erfolgreich. Dann sehen wir endlich wieder hunderttausende Männer die sich jubelnd in den Armen liegen. Hunderttausende Frauen, die darauf hoffen, dass die Kamera auch den letzten Trikottausch noch einfängt. (Schließlich spielt Mats Hummels für Deutschland und auch Mario Gomez ist wieder dabei. – Da war doch mal was.) Und natürlich alle, die sich irgendwo dazwischen befinden und/oder ein bisschen von beidem wünschen.

Und das beste ist: Es geht schon morgen los! Insbesondere in Köln kann man sich perfekt einstimmen auf den größten Fußballsommer seit 2 Jahren und muss garantiert nicht an Politiker aus Österreich, Hausmeister in Strapsen oder Joachims, die auch noch Gladbach-Fan sind, denken. Beim Come-Together-Cup am Stadion in Müngersdorf kommen inzwischen jährlich tausende zusammen um eines der größten Benefiz-Events zu feiern, dass diese Stadt zu bieten hat. Nicht nur, aber auch mit Fußball. Und wenn das Wetter mitspielt, auch garantiert mit genug nackter Haut, um jeden Trikottausch zu überbieten und eine Bühnenshow darüber unnötig zu machen.

Share this Post

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Sie sollten das verwenden HTML Schlagworte und Attribute: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*
*