Alles, außer Zirkus!

flourish103/ Mai 11, 2016/ Aktuell, Emotionen, Fotos, Meine Meinung!/ 0Kommentare

Alles, außer Zirkus

ProSieben suchte letzte Woche in Person von Joko Winterscheid und Klaas Heufer-Umlauf die beste Show der Welt. Ich habe sie gefunden…

vielleicht!

16-05-11---Tickets

Gestern Abend kam ich zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres in den Genuss, mir die Jubiläumsshow „Höchststrafe – 25 Jahre FlicFlac“ anzusehen. Die sich selbst ausdrücklich nicht als Zirkus bezeichnende Show von Artisten, Clowns und sonstigen Unterhaltungskünstlern, die in einem großen Zelt stattfindet, gastiert noch bis zum Ende des Pfingstwochenendes in Bonn. Vor knapp einem Jahr überzeugte mich die Mischung verschiedener Unterhaltungselemente schon beim Gastspiel in Köln. Doch die eigentliche Kunst ist ja, wenn ein und dieselbe Show mich auch beim zweiten Mal noch überraschen, schocken, unterhalten kann. Dann ist es vielleicht wirklich die beste Show der Welt.

beleuchtete StrapatenkünstlerDoch was muss eine solche Show zu bieten haben?

  • Spaß, Spannung, Action, Anspruch, Erotik, Dramatik – und sie muss, zumindest nach Meinung von Klaas, süß sein!

Er setzte dafür eine Menge niedlicher kleiner Tiere vor die Kamera und hoffte auf automatische Einschaltquoten – vergeblich. Dass Tiere nicht nötig sind, um eine beeindruckende Show zu liefern, weiß man bei FlicFlac schon lange. Schon allein deshalb ist diese neue, moderne Form von Zeltshow so unterstützenswert. Es werden keine Tiere in kleinen Wagen gehalten und durch die Gegend kutschiert, sie müssen keine Dressurnummern einstudieren und sind nicht abhängig davon, ob die Show läuft, oder nicht. Die einzigen Künstler bei FlicFlac sind Menschen.

  • Anspruch

Performance vor Bandkäfig

„Höchststrafe“ ist dabei aber mehr als die Aneinanderreihung einzelner Darbietungen verschiedenster Künstler. Alle gemeinsam, Publikum, Darsteller, Band und sogar alle Helfer befinden sich im Gefängnis. Die Künstler tragen Sträflingskleidung (und wenn nicht, erhalten sie die Anweisung dazu), treten immer wieder auch in Gruppen auf und werden von Wärtern entweder weggeschickt – oder auf die kreisrunde Bühne. Die Ereignisse erzählen dabei nicht unbedingt eine Geschichte, aber doch fügen sich alle Nummern aneinander und das Element Höchststrafe zieht sich wie ein roter Faden durchs Programm.

  • Action

Gleich zu Beginn zeigt eine ganze Gruppe von Akrobaten eindrucksvolle Hebefiguren, spektakuläre Sprünge und dynamische Choreographien – in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. „Höchststrafe“ ist Action von der ersten Sekunde an. Eine sich überschlagende Schaukel von der aus die Häftlinge waghalsige Sprünge machen, in einem Netz landend, dass nur wenige Zentimeter vor den Zuschauern in der ersten Reihe unter die Zeltdecke gezogen wird. Und nicht zuletzt der smarte, immer lächelnde Jongleur, der unter Beweis stellt, dass ein Diablo eigentlich gar kein Kinderspielzeug ist.

  • Spaß

Magier neben ZauberkisteAber natürlich muss Jonglage nicht immer nur Action sein. Ein neuer, schottischer Häftling mischt den Knast auf. Selbstverständlich im Kilt, die Kleiderordnung gilt erst bei seinem zweiten Auftritt. Mit Jonglagekunst, die größtenteils nicht einmal für Kindergeburtstage ausreichen könnte. Mit einer Zaubershow, in der jeder einzelne Trick offensichtlich ist. Mit Witzen, die flacher sind als man für möglich halten würde. Kostprobe?
Aus einem Handschuh werden auf magische Weise (aneinander genäht und erst nacheinander gezeigt) zwei. „Second Hand, wie die Franzosen sagen“ vereinzeltes Gelächter „…wenn sie Englisch sprechen!“ Ohne viele Tricks, Musik, oder akrobatische Einlagen trotzdem ein ganzes Publikum nicht nur in den Bann zu ziehen, sondern zum Dauerlachen zu bringen, ist meiner Meinung nach eine extrem Hohe Kunst der Unterhaltung. Die beherrscht aber noch ein weiterer der Darsteller. Der „Master of Hellfire“, kommt (hörbar) aus Thüringen, nennt sich selbst den hässlichsten Clown der Welt (eigentlich den „heißesten“, hab ich wohl falsch verstaden, muss an der Sprache liegen…), ist stolz auf beides und macht eigentlich nichts anderes, als Witze mit Leuten aus dem Publikum – und über sie! Das ist böse, richtig schwarzer Humor – und richtig lustig!

  • Spannung

Band im Käfig

Was mir während meines zweiten Besuchs der Show fast noch ein bisschen mehr imponiert, als beim ersten Mal, ist aber die Musik. Drei Takte einer bekannten schottischen Melodie und das gesamte Publikum klatscht begeistert im Takt, weil jeder weiß, wer nun auftritt! Das hier ist keine Zirkuskapelle, sondern eine Band. Und jedes der Bandmitglieder steckt – wie sollte es anders sein – passend zum Motto in einem Käfig! Die Auswahl der Stücke, die zur Untermalung der Nummern dienen, ist eine Sache – aber die immer wieder auch von der Band live performten (und auch gesungenen) Passagen sowohl in den (sehr kurzen) Umbaupausen als auch zu den Programmpunkten selbst, sind genauso spektakulär, wie die gesamte Show: Laut, dröhnend, rockig – eben die Höchststrafe! Aber auch leise, pointiert zu den Salti der Artisten und passend zur Dramaturgie der Nummer immer wieder an und abschwellend ohne dabei unnötig in den Vordergrund zu treten. So gelingt bei actiongeladener Akrobatik der perfekte Spannungsaufbau genauso, wie bei der Tuchartistin und dem Trapezkünstler unter dem Zeltdach.

  • Erotik

schwebende Pole-Tänzerin

Auch die eingespielte Musik passt perfekt. Wenn eine Poledance-Stange in der Mitte des Zeltes aufgestellt wird, hallt eine Frauenstimme auf Französisch durch das Zelt. Was die Tänzerin dann an dieser Stange vollführt, ist unglaublich – und widerspricht unter anderem allen mir bekannten Gesetzen der Schwerkraft! Als einzige darf sie von der Bekleidungsvorschrift abweichen – und nutzt das, um das passende Outfit zu ihrer Performance zu tragen. Das Zelt wird förmlich aufgeheizt! 01Das sogar wörtlich bei der Darbietung einer Artistin, die in ihrem Ring nicht nur einfach kunstvolle Figuren zeigt. Sie taucht immer wieder in ein unter ihr aufgebautes Wasserbecken ein – durch die von ihr herunter prasselnden Wassertropfen entstehen auch durch die eingesetzte Beleuchtung ungeahnte Effekte – bis dieses am Ende von einem Ring aus Flammen umgeben wird, durch den sie beim finalen Sprung ins Becken abtaucht!
Den vorläufigen Höhepunkt der Show bildet aber, was Spannungaufbau, Musik und Anziehungskraft angeht, eine knisternde Liebesgeschichte: Immer wieder zueinander hingezogen und voneinander weggetrieben tragen die beiden Häftlinge ihr Zusammenspiel vor dem Publikum aus. Zu den Klängen von Tom Odells Stimme und einer auf diese Choreographie zugeschnittenen Version von „Another Love“ nutzen sie dabei die gesamte Höhe des Zeltes. Unter dem Himmel schwebend, auf dem Boden zurückgelassen. Ein ständiges Auf und Ab, Hin und Her zwischen Anziehung und Schmerz, das in einem leidenschaftlichen Kuss unter dem Applaus von den Rängen gipfelt.

  • Dramatik

Biker in der KugelRichtig dramatisch wird es ganz zum Ende der Show! Drei, dann fünf und letztendlich acht (!) Menschen fahren auf ihren Bikes in Hochgeschwindigkeit durch eine Kugel in der Mitte des Zeltes. Wie eng es dabei zugeht und wie beeindruckend das auf alle Zuschauer wirkt, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Für diese Nummer sind die Fahrer nicht nur als Programmpunkt von FlicFlac berühmt!
Sprung über die KugelDoch sie können sie sogar noch steigern: Nachdem sie ihre Kugel verlassen haben, springen alle Fahrer über eine Rampe aus dem Zuschauereingang über das Publikum und die Kugel hinweg auf ihren Rädern durch das Zelt. Klingt weitaus weniger spektakulär, als es ist. Wie gesagt, es ist kaum zu beschreiben, weil der hauptsächliche Gedanke schon beim Erleben eigentlich nur ein fassungsloses „Das machen die jetzt nicht wirklich!“ ist. Das ganze Publikum hält bei jedem Sprung den Atem an, insbesondere weil die Abstände der Springer zum Ende hin immer kürzer werden, bis schließlich alle fast direkt nacheinander durch das Zelt fliegen!

Wer sich die Show von FlicFlac ansieht, erlebt alles andere, als Zirkus. Und das in einem absolut positiven Sinne. Es gibt keine klischeehaften Clownsnummern, keinen klassischen Zauberer – und eben ausschließlich Darbietungen von Menschen. Ganz bewusst wird auf Tiere verzichtet, es gibt nicht einmal den fast schon obligatorischen Streichelzoo. Attraktive, gutaussehende Männer und Frauen mit Ausstrahlung – der ein oder andere würde womöglich durchaus niedlich sagen – auf jeden Fall! Niedliche Tierchen – Fehlanzeige! FlicFlac ist wirklich alles, außer Zirkus. Und auch alles außer süß. Aber wer für eine gute Show unbedingt auch noch was Süßes will, kann sich ja im Vorzelt eine Tüte Popcorn kaufen.
Wie im Zirkus.
Süß!

küssende Strapatenkünstler

Share this Post

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie sollten das verwenden HTML Schlagworte und Attribute: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*
*