2014. Schmerzhaftes Jahr

flourish103/ Dezember 28, 2014/ Emotionen, Meine Meinung!, Persönliches, Politik/ 0Kommentare

Angekommen am Ende ihres Weges. Menschen, Ereignisse, Institutionen. Große Namen, die vieles und großes geleistet haben. Auch 2014 gingen einige Geschichten zuende.
Wetten, dass wir nie wieder eine vergleichbare TV-Show erleben werden? Generationen hat sie begeistert, an ihrem Ende war sie nicht mehr zeitgemäß, die gute, große Idee von Frank Elstner. Ja, 2014 hat sie fast alles von dem verloren, was sie einmal ausgemacht hat. Und dennoch muss man sich fragen, wie viele andere TV-Shows es in Deutschland gibt, die so viel besser sind, als „Wetten Dass..!?“. Die neue große, erfolgreichste Samstagabend-Unterhaltungsshow des Landes ist nun „Schlag den Raab“. Wirklich eine Verbesserung?

Viel schwerer als der Verlust einer Fernsehsendung ist der Verlust eines Menschenlebens. Ganz gleich, welches Menschen und wodurch. Dennoch nennen wir schon beinahe traditionell auch in diesem Zusammenhang oft große Namen. Zu denen man gar nicht erklären muss, warum man sie nennt. Von denen insbesondere am Ende des Jahres deutlich mehr hinzugekommen sind, als man wollen würde.
Udo Jürgens, der noch in diesem Jahr mit einer großen Fernsehshow seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Jung geblieben wie immer, voller Pläne und Energie. Gestorben an einem Samstag im Dezember an Herzversagen.
Joe Cocker, ewig alt, zumindest der Klang seiner Stimme und seine „Bewegungsabläufe“ erliegt nur einen Tag später dem Lungenkrebs.
Doch auch schon früher im Jahr gehen Menschen. Mancher von ihnen völlig überraschend. Karl Albrecht, der reichste Mann Deutschlands, Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, Peter Scholl-Latour, Ralph Giordano.
Politiker, Ariel Scharon, nach jahrelangem Koma, Wojciech Jaruzelski, Staatsoberhaupt unseres Nachbarlandes, Eduard Schewardnadse.
Fußballer Andreas Biermann verliert den Kampf gegen seine Depressionen.
Schauspieler und Künstler, Maximilian Schell, eine deutsche Hollywood-Legende, nur einen Tag später Oscar-Preisträger Philipp Seymour Hoffman, Blacky Fuchsberger und Robin Williams, nach dessen Selbstmord überall auf der Welt Menschen auf Tische stiegen, um die Welt aus anderen, vielleicht seinen Augen zu betrachten.
Eine Fähigkeit, die wohl vielen Menschen auf dieser Welt helfen könnte, weniger Leid und mehr Freude zu erleben.

In der Welt schwebten Konflikte und Leid über allem, das 2014 geschehen ist. Auch Deutschland und die Menschen, die hier leben, sind davon betroffen, beschäftigen sich damit. Auch ich. Russland annektiert die Krim und löst militärische Auseinandersetzungen mit globalen Folgen aus, in der Türkei werden soziale Medien und das Web staatlich zensiert, während eine Regierungsorganisation der Vereinigten Staaten von Amerika sie für ihre Zwecke nutzt, eine Gruppe gläubiger Menschen ernennt sich selbst zu einem flächenlosen Staat und verbreitet Terror unter allen, die sie nicht anerkennen, was zu großen Protesten von Bevölkerungsgruppen führt, die Gedanken und Sorgen anderer für ihre Zwecke instrumentalisieren, eine schlimme Krankheit tötet zahlreiche Menschen in Afrika, aber auch auf allen anderen Kontinenten.
Wenn man diese Aneinanderreihung nur einiger ausgewählter Ereignisse des Jahres liest, erscheint es, als könne dies eine ganze Dekade füllen. 2014, ein Gewalt-, Krisen-, Schreckensjahr. Da gerät selbst das Jubiläumsjahr des Mauerfalls, 25 Jahre, ein wenig in den Hintergrund. Natürlich wird eine Woche lang kein anderes Thema  in Deutschland so sehr thematisiert und diskutiert. In Berlin werden sehr teure Ballons entlang der ehemaligen Staatsgrenze zwischen DDR und BRD in den Himmel steigen lassen. „Lichtgrenze“ wird das Wort des Jahres. Und doch verschwindet das historische Jubiläum schnell wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung, zugunsten von Krankheiten und Konflikten. Nie zuvor hat man von so viel Leid auf der Welt gehört und gesehen.
Aber genau das ist doch die eigentliche Erkenntnis. Es gibt nicht mehr Krieg, nicht mehr Leid und nicht mehr Gewalt auf der Welt. Es gibt nur viel mehr und viel besser vernetzte Medien, die darüber berichten. Keines dieser Ereignisse ist positiv, keines unwichtig. Aber nur weil wir von mehr Ereignissen in der Welt wissen und mehr darüber, ist es noch lange kein Grund, sich mehr darüber zu sorgen, wie sie sich entwickeln, als bisher auch schon.
Sorgen sollten wir uns vielleicht eher über den Umgang der Medien, auch der sozialen Medien, mit diesen Ereignissen. Das Ebolavirus löst eine schlimme Krankheit aus, an deren Folgen viel zu viele Menschen innerhalb eines Jahres gestorben sind. Eine viel größere Anzahl Menschen stirbt jedes Jahr an Malaria. Eine viel größere Anzahl Menschen stirbt jedes Jahr an den Folgen von AIDS.

Ein Beispiel, wie ein so ernstes Thema, wie schwere, zum Teil unheilbare Krankheiten, zur Spaßveranstaltung verkommt, hat sich in diesem Jahr auf der ganzen Welt gezeigt.
Um auf eine Nervenkrankheit aufmerksam zu machen, übergießt sich jemand mit Eiswasser und fordert andere Menschen auf, es ihm gleich zu tun, oder mit einer Spende bei der Erforschung und Bekämpfung dieser Krankheit zu helfen. Es dauert, aber irgendwann ist die Eiswasser-Welle nicht mehr aufzuhalten. Überall auf der Welt übergießen sich Menschen, wer besonders reich und/oder prominent ist, posiert vor werbewirksamen Schauplätzen und lässt das Übergießen von gut aussehenden, aus irgendeinem Grund ebenfalls nur knapp bekleideten Models erledigen. Und irgendwann, wenn schon fast jeder genervt ist von diesem Phänomen, postet irgendein Dorfkind auf Facebook, im Web, einem Medium, von dessen Strahlkraft, Auswirkung und Funktion es offensichtlich nicht die geringste Ahnung hat, ein Video in dem es sich mit einem Schüsselchen Wasser beträufelt und nominiert seine drei besten Freunde. „Und wenn ihr nicht innerhalb 24 Stunden mitmacht, müsst ihr mir ne Flasche Schnaps spendieren.“ Ja, 2014 ist mehr als jedes zuvor das Jahr der (Online-)Medien. Ob das gut oder schlecht ist, bleibt wohl eine offene Frage.

Aus diesen und vielen anderen Gründen ist 2014 ein besonderes Jahr für mich. Mehr davon erzähle ich morgen!

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