2014. Ein Fußballjahr.

Für die meisten Menschen in Deutschland war das, was sich in einem sehr fremden, sehr fernen Land in diesem Sommer ereignete das vielleicht beste, was das Jahr 2014 zu bieten hatte. Die Fußball-Weltmeisterschaft. Millionengewinne für den Veranstalter, Millionenverluste für den Ausrichter, ein ohnehin nicht gerade im Wohlstand versinkendes Land. Ein Thema, das insbesondere von den pflichtbewussten Medien mit öffentlich-rechtlichem Sendeauftrag aufgegriffen und beleuchtet wurde. So lange, bis der Ball dann endlich rollte.
So richtig hatten alle Experten eigentlich nicht damit gerechnet, dass Deutschland wirklich die erste europäische Nation sein würde, die auf südamerikanischem Boden den WM-Titel holt. Zu viele Experimente und in deren Folge schlechte Spiele und Ergebnisse gab es vor dem Turnier. Autounfälle, Döner- und Pinkel-Affären, verletzte Spieler.
Der Begeisterung tat das keinen Abbruch. Und am Ende waren es bei all diesem Spaß- und Zauberfußball der letzten Jahre dann doch wieder diese eigentlich typisch deutschen Tugenden, die zum Erfolg führten.

Zum Start 4:0 gegen Portugal, mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo. Kein wirklicher Gradmesser, wie für einige schon vor dem Turnier, für alle anderen nach der Gruppenphase klar war. Aber mit diesem Traumstart und drei Müller-Toren waren wir ja schon fast sicher im Endspiel. Bis zum zweiten Gruppenspiel. Ich verfolge das Spiel bei der Taufe meines jüngsten Cousins, auf dem Zettel der spontanen Tipprunde stehen 2 Tipps auf Ghana und 3 Unentschieden etwa 724 Tipps für die deutsche Mannschaft gegenüber. Nicht wenige davon rechnen mit Kantersiegen.
Zweites Spiel, 2:2 gegen Ghana. Mit Glück. Aber auch mit viel Willen, Leidenschaft. Und mit Miroslav Klose, der mit seinem Ausgleichstor Rekordtorschütze Ronaldo bei der WM in dessen Heimatland ein- und später überholt.
Im dritten Spiel das Wiedersehen mit dem Mann, der eigentlich mitverantwortlicher Auslöser dieser Stimmung und Zuversicht, der Begeisterung für „Die Mannschaft“ ist. Jürgen Klinsmann als Nationaltrainer der USA, unterstützt von dem Mann, der als letzter Bundestrainer einen Titel geholt hatte. Man gönnt ihnen ja irgendwie das Weiterkommen. Trotzdem gewinnt Deutschland 1:0.

In einem geschichtsträchtigen Achtelfinale erreichen alle acht Gruppensieger die nächste Runde. Ein Novum. Auch Deutschland setzt sich mit einem hochsouveränen Kantersieg durch. 2:1 nach Verlängerung gegen Algerien. Dank guter konditioneller Leistung. Oder Manuel Neuer. An den WM-Titel glaubt nach diesem Spiel fast keiner mehr. Auch weil im Viertelfinale ein starker Gegner wartet, im Nachhinein der vielleicht stärkste im Turnier. Mit einer kompakten Mannschaftsleistung, wieder einmal großartigen Torwartparaden und einer guten Eckenverwertung durch Mats Hummels gewinnen wir 1:0 gegen Frankreich. Der Fußball-Fachmann nennt so was „glücklich, aber nicht unverdient“.
Und dann dieses historische Halbfinale. Brasilien gegen Deutschland. Das ewige Duell. Der Rekordweltmeister und Gastgeber gegen Jogis Jungs. Eine ganz knappe Kiste, immer schon. Und meistens mit dem besseren Ende für die Südamerikaner. Bislang konnten sie nicht wirklich überzeugen, aber haben immer so viel abrufen können, dass es zum Weiterkommen reicht. Halbfinaleinzug durch ein 2:1 gegen verängstigtes Kolumbien, das mehr mit der Erwartungshaltung und Begeisterung des brasilianischen Publikums für seine Mannschaft zu kämpfen hat, als mit dem Gegner selbst.
Deutschland interessiert sich zunächst recht wenig für das Publikum, erzielt in der ersten halben Stunde 5 Tore und spielt erst danach mit Respekt vor Gegner und Land die restlichen 60 Minuten zu Ende. Endstand 7:1. Ein Fußballspiel löst Staatstrauer aus.
Der Rest ist Geschichte. Der Anstand im Umgang mit den brasilianischen Spielern sorgt allenthalben für Sympathie für das deutsche Team. Dass der Gegner im Finale Argentinien heißt, tut sein übriges. Das Finale allein beinhaltet genug Dramaturgie für ein ganzes Turnier. Verletzung Khedira, kurz vor dem Anpfiff muss Kramer ran, erstes Spiel im Turnier überhaupt, 30 Minuten vielleicht bester deutscher Spieler, dann Auswechslung wegen Gehirnerschütterung, Höwedes an den Pfosten, Spannung, Verletzung Schweinsteiger, Unterzahl, Verletzung Schweinsteiger, Unterzahl. Und irgendwo dazwischen eine unnachahmliche Ballannahme und ein Schuss mit dem linken Fuß von Mario Götze. 1:0 gegen Argentinien. Deutschland ist Weltmeister. Mit Leidenschaft, Kampfgeist und vor allem als Team, das zusammen gehört.

Aus diesem und vielen anderen Gründen ist 2014  ein besonderes Jahr für mich. Mehr davon erzähle ich morgen!

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